Venus könnte Milliarden Jahre lang bewohnbar gewesen sein

Klimasimulationen der NASA deuten darauf hin, dass die Venus unter bestimmten Bedingungen fast drei Milliarden Jahre lang lebensfreundliche Temperaturen aufgewiesen haben könnte. Die Modelle zeigen, dass bei früher Existenz von Ozeanen Oberflächentemperaturen zwischen 20 und 50°C möglich gewesen wären. Diese Phase könnte erst vor etwa 700 Millionen Jahren durch massive vulkanische Aktivität beendet worden sein.

Modellannahmen und Szenarien

Forscher um Michael Way und Anthony Del Genio nutzten das ROCKE-3D-Klimamodell der NASA für 45 Simulationen verschiedener Entwicklungswege der Venus. Die Berechnungen berücksichtigten unterschiedliche Atmosphärenzusammensetzungen, Oberflächenbeschaffenheiten und Rotationsgeschwindigkeiten. Grundlegende Annahme war dabei die Existenz von flüssigem Wasser in der Frühphase des Planeten.

In den optimistischen Szenarien kühlte der ursprüngliche Magmaozean der Venus innerhalb weniger Millionen Jahre ab, sodass sich stabile Wasserozeane bilden konnten. Die Simulationen zeigen, dass ein solcher Zustand trotz der langsam zunehmenden Sonneneinstrahlung über Milliarden Jahre stabil bleiben konnte. Entscheidend dafür war die Bildung einer dichten Wolkendecke auf der sonnenzugewandten Seite.

Klimamechanismen und heutiger Zustand

Die extrem langsame Rotation der Venus mit einem Sonnentag von 117 Erdentagen führte in den Modellen zu einem charakteristischen Wolkensystem. Die anhaltende Erwärmung der Tagseite erzeugte starke Aufwinde, die Wasserdampf in große Höhen transportierten. Dort bildete sich eine dichte, reflektierende Wolkenschicht, die einen Großteil der Sonnenenergie ins All zurückwarf.

Der heutige Zustand der Venus mit einer Oberflächentemperatur von 467°C und einem 93-mal höheren Atmosphärendruck als auf der Erde könnte durch massive vulkanische Ausgasungen entstanden sein. Große Magmaereignisse hätten demnach innerhalb kurzer Zeit so viel Kohlendioxid freigesetzt, dass die bisherigen Klimaregulationsmechanismen zusammenbrachen.

Die Studie betont jedoch, dass es sich um theoretische Modelle handelt. Direkte geologische Belege für Ozeane auf der Venus fehlen bisher. Die Ergebnisse zeigen lediglich, dass unter bestimmten Voraussetzungen eine lange habitbare Phase möglich gewesen wäre.

  • Quelle: NASA Goddard Institute for Space Studies
  • Quelle: Studie in JGR: Planets (2020)
  • Quelle: SpaceDaily-Analysen