Gletscherartige Strukturen auf Merkur entdeckt

Die NASA-Raumsonde MESSENGER hat in zwei Kratern auf dem Merkur ungewöhnliche Strukturen entdeckt, die irdischen Gletschern ähneln. Die Formationen in den Kratern Raditladi und Eminescu zeigen fließartige Muster, die auf die Bewegung von salz- und flüchtigkeitsreichem Material hindeuten könnten.

Ungewöhnliche Landformen in Merkurs Kratern

MESSENGER, die von 2011 bis 2015 den Merkur umkreiste, identifizierte in den beiden Kratern breite, lobenförmige Ablagerungen, die von Teilen der zentralen Bergringe ausgehen. Die Oberflächen weisen charakteristische Merkmale wie Auslaufränder, gekrümmte Rücken und lineare Strukturen auf, die auf Materialbewegungen hindeuten. Diese Formationen unterscheiden sich deutlich von gewöhnlichen Gerölllawinen in der Umgebung.

Besonders auffällig ist die Verbindung der fließartigen Strukturen mit sogenannten „Hollows“ – hellen, scharfkantigen Vertiefungen ohne erkennbare Kraterränder. Diese Hollows gelten als typisches Merkmal der Merkuroberfläche und werden mit dem Entweichen flüchtiger Bestandteile in Verbindung gebracht.

Salzreiche Ablagerungen als mögliche Erklärung

Forscher schlagen vor, dass die gletscherartigen Formationen hauptsächlich aus Salzen und anderen flüchtigkeitsreichen Materialien bestehen könnten. Computermodelle zeigen, dass solche Ablagerungen unter einer schützenden Deckschicht mehr als eine Milliarde Jahre überdauern könnten. Als Vergleich dienen irdische Salzgletscher, bei denen Salz aus verdampften Ablagerungen langsam fließt.

Die Einschläge, die die Krater Raditladi und Eminescu formten, könnten Material aus tieferen Schichten an die Oberfläche gebracht haben. Dieses Material wäre dann an den steilen Hängen der zentralen Bergringe mobil geworden. Die genaue Zusammensetzung der fließenden Massen bleibt unklar, könnte aber neben Salzen auch schwefelhaltige Verbindungen und organische Materialien enthalten.

Die Entdeckung passt zu früheren Erkenntnissen von MESSENGER, die zeigen, dass Merkur entgegen früheren Annahmen nicht arm an flüchtigen Elementen ist. Die Oberfläche des Planeten enthält bemerkenswerte Mengen an Kalium, Natrium, Chlor, Schwefel und Kohlenstoff.

  • Quelle: MESSENGER-Missionsdaten der NASA
  • Quelle: Studie im Planetary Science Journal (2023)
  • Quelle: Planetary Science Institute