Mehr als drei Jahrzehnte nach dem Ende der Magellan-Mission der NASA haben Wissenschaftler eine bedeutende Entdeckung auf der Venus gemacht. Durch die Neuauswertung von Radardaten wurde erstmals eine unterirdische Höhle auf dem Planeten nachgewiesen.
Magellans letzte Mission
Die Raumsonde Magellan wurde 1994 gezielt in die Atmosphäre der Venus gelenkt, nachdem sie mehr als 15.000 Umläufe absolviert und 98% der Planetenoberfläche kartiert hatte. Die Sonde trat am 12. und 13. Oktober 1994 in die Atmosphäre ein, um ein letztes aerodynamisches Experiment durchzuführen. Der Kontakt ging verloren, und die Sonde verglühte vermutlich. Die gesammelten Radardaten blieben jedoch erhalten.
Ein Team der Universität Trento unter Leitung von Leonardo Carrer, Elena Diana und Lorenzo Bruzzone analysierte einen Teil dieser Daten mit einer neuen Methode. Ihre Ergebnisse wurden am 9. Februar 2026 in der Fachzeitschrift Nature Communications veröffentlicht. Sie beschreiben die erste radarbasierte Entdeckung einer unterirdischen Höhle auf der Venus.
Die Entdeckung der Lavaröhre
Die Forscher untersuchten eine bereits bekannte Vertiefung namens Pit A am Westhang des Nyx Mons, eines Schildvulkans mit einem Durchmesser von etwa 362 Kilometern. Die Radarbilder zeigten, dass diese Vertiefung sich in eine unterirdische Lavaröhre öffnet, die im Durchschnitt etwa einen Kilometer breit ist.
Die Analyse ergab, dass die Oberflächenöffnung etwa 1.545 mal 1.070 Meter misst. Die darunter liegende Höhle variiert in der Breite und ist in der Nähe der Öffnung etwa 1.350 Meter breit, verengt sich jedoch auf etwa 525 Meter an der entferntesten Stelle, die durch ein erkennbares Echo im Inneren erreicht wurde.
Die Forscher gehen davon aus, dass die Höhle Teil eines größeren Systems ist, das sich über mindestens 45 Kilometer erstrecken könnte. Diese Annahme basiert auf der Oberflächenmorphologie, der Höhenlage und der Anordnung anderer Vertiefungen in der Region.
Die Entdeckung wurde durch den Vergleich mit Radarbeobachtungen der Jameo Agujerado, einer zugänglichen Öffnung im Lavaröhrensystem Corona auf Lanzarote, bestätigt. Die Kombination aus Schatten und verlängertem hellen Radarecho ähnelt der Struktur auf der Venus, obwohl die venusianische Formation deutlich größer ist.
Diese Entdeckung liefert neue Einblicke in die geologische Aktivität der Venus und könnte zukünftige Missionen zur Erforschung des Planeten beeinflussen.
- Quelle: Nature Communications, 9. Februar 2026
- Quelle: NASA Mission History