Astronomen haben ein Objekt mit der Masse des Saturn nachgewiesen, das scheinbar ohne gebundenen Stern durch die Milchstraße driftet. Die Beobachtung gelang durch eine Gravitationsmikrolinsen-Messung, die von erdgebundenen Teleskopen und dem Gaia-Weltraumteleskop durchgeführt wurde.
Messung durch Mikrolinseneffekt
Das als KMT-2024-BLG-0792/OGLE-2024-BLG-0516 katalogisierte Objekt weist etwa 0,22 Jupitermassen auf, was rund 70 Erdmassen entspricht. Die Entfernung zur Erde beträgt etwa 3,05 Kiloparsec (ca. 10.000 Lichtjahre). Ein internationales Forscherteam unter Leitung von Subo Dong veröffentlichte die Ergebnisse im Januar 2026 im Fachjournal Science.
Der Mikrolinseneffekt trat am 3. Mai 2024 auf, als Teleskope in Chile, Südafrika und Australien die Helligkeitszunahme eines Hintergrundsterns registrierten. Die gesamte Helligkeitsänderung dauerte weniger als einen Tag. Durch die Analyse der Lichtkurve und unter Einbeziehung von Gaia-Daten konnte die Masse des verursachenden Objekts direkt bestimmt werden.
Häufigkeit frei fliegender Planeten
Eine separate Studie von Takahiro Sumi aus dem Jahr 2023 legt nahe, dass solche nicht an Sterne gebundenen Objekte in der Milchstraße deutlich häufiger sein könnten als Sterne. Die Schätzung basiert auf einer statistischen Auswertung von 3.535 Mikrolinsen-Ereignissen und geht von einem Verhältnis von etwa 20 zu 1 aus.
Allerdings handelt es sich dabei um eine Modellrechnung mit großen Unsicherheiten. Die tatsächliche Häufigkeit könnte zwischen 8 und 44 solcher Objekte pro Stern liegen. Die meisten davon wären deutlich masseärmer als das jetzt entdeckte Objekt.
Die genaue Entstehungsgeschichte des Saturn-massiven Objekts bleibt unklar. Die Forscher vermuten, dass es sich ursprünglich in einer protoplanetaren Scheibe gebildet und später durch dynamische Wechselwirkungen herausgeschleudert wurde.
- Dong et al. (2026): „Direct mass measurement of a free-floating planet candidate through microlensing parallax“, Science
- Sumi et al. (2023): „Free-floating planet mass function from MOA-II 9-year survey toward the Galactic bulge“, The Astronomical Journal
