Neue Erkenntnisse zu mysteriösen Radioblitzen in der Milchstraße

Ein Doktorand der Universität Sydney hat eine Art „Rosetta-Stein“ für bisher unerklärte Radioblitze in der Milchstraße entdeckt. Das System ASKAP J1745−5051 besteht aus einem Weißen Zwerg, der Materie von einem nahen Begleitstern abzieht. Die Umlaufbahn des Systems beträgt etwa 1,4 Stunden und liefert klare Hinweise auf die Entstehung dieser Radioblitze.

Entdeckung und Analyse des Systems

Das System wurde im Rahmen der Rapid ASKAP Continuum Survey mit dem Australian SKA Pathfinder (ASKAP) in Westaustralien identifiziert. Von etwa drei Millionen untersuchten Radioquellen zeigte nur eine Handvoll eine hohe zirkulare Polarisation. ASKAP J1745−5051 war die einzige Quelle ohne bekannte astronomische Identifikation. Durch weitere Beobachtungen mit MeerKAT konnte die Position präzisiert und eine schwache optische Quelle in den Gaia-Daten zugeordnet werden.

Die Radioblitze wiederholen sich alle 1,34497 Stunden, sind jedoch nicht vollständig regelmäßig. Die Pulse variieren in Form, Polarisation und Frequenzstruktur. Die Entdeckung wurde am 1. Juni 2026 in der Fachzeitschrift Nature Astronomy veröffentlicht. Die Blitze sind elliptisch polarisiert, schmalbandig und zeigen eine variable Frequenz. Ihre Helligkeit deutet auf einen kohärenten Emissionsprozess in einem Bereich mit geordneten Magnetfeldern hin.

Optische und Röntgenbestätigung

Optische Spektren des SOAR-Teleskops und des Magellan-Observatoriums zeigten starke Wasserstoff- und Helium-Emissionslinien. Die Wellenlängenverschiebung ermöglichte die Messung der Radialgeschwindigkeit des Systems. Die spektroskopische Umlaufperiode beträgt 1,368 ± 0,053 Stunden, was mit der präzisen Radioperiode von 1,34497 Stunden übereinstimmt. Diese Übereinstimmung zeigt, dass die Umlaufbewegung die Radioblitze organisiert.

Das System wird als magnetischer kataklysmischer Veränderlicher klassifiziert, bei dem ein Weißer Zwerg Materie von einem massearmen Begleiter akkretiert. Röntgenbeobachtungen mit Swift und Einstein Probe bestätigten die variable Akkretion mit einer Periode von 1,32 ± 0,13 Stunden. Die Röntgenhelligkeit variierte um mehr als eine Größenordnung, was auf eine ungleichmäßige Akkretion hinweist.

Die Radioblitze erreichen eine Polarisation von fast 100 Prozent und haben eine minimale Helligkeitstemperatur von über einer Billion Kelvin. Dies deutet auf einen kohärenten Prozess wie den relativistischen Elektronen-Zyklotron-Maser hin, bei dem die Emission der Elektronen synchronisiert wird.

  • Quelle: Nature Astronomy, 1. Juni 2026
  • Quelle: Rapid ASKAP Continuum Survey
  • Quelle: CSIRO