Asteroid 2025 MN45 rotiert ungewöhnlich schnell und stellt Modelle infrage

Im Januar 2026 veröffentlichten Astronomen die Entdeckung eines ungewöhnlichen Asteroiden im Hauptgürtel. Der als 2025 MN45 katalogisierte Himmelskörper mit einem geschätzten Durchmesser von 710 Metern vollführt eine Umdrehung alle 1,88 Minuten. Diese extrem schnelle Rotation widerspricht bisherigen Annahmen über die Stabilität von Asteroiden dieser Größenklasse.

Beobachtungen mit dem Vera C. Rubin Observatory

Die Daten stammen aus Testbeobachtungen des Vera C. Rubin Observatory in Chile. Das Forschungsteam um Sarah Greenstreet analysierte 517 Messungen über 12 Tage hinweg. Die Helligkeitsschwankungen des als punktförmige Lichtquelle erscheinenden Asteroiden zeigten ein klares, sich wiederholendes Muster mit einer Periode von 0,031 Stunden (112,8 Sekunden).

Die Ergebnisse wurden durch verschiedene Analysemethoden und Filter bestätigt, was Fehlinterpretationen durch Beobachtungsartefakte unwahrscheinlich macht. Die Studie erschien am 7. Januar 2026 im Astrophysical Journal Letters.

Herausforderung für bestehende Modelle

Für einen typischen Rubble-Pile-Asteroiden – eine lose Ansammlung von Gesteinsbrocken, die hauptsächlich durch schwache Eigengravitation zusammengehalten wird – gilt eine kritische Rotationsperiode von etwa 2,2 Stunden. Bei schnellerer Rotation würde sich der Körper durch Fliehkräfte zerlegen.

2025 MN45 rotiert etwa 70-mal schneller als dieser Grenzwert. Modellrechnungen zeigen, dass zur Erhaltung seiner Struktur eine Kohäsion von etwa 9 Megapascal notwendig ist – vergleichbar mit festem Gestein oder starkem Ton. Die genaue Zusammensetzung bleibt jedoch unbekannt, da die 710 Meter nur eine Schätzung basierend auf angenommenen Albedo-Werten darstellen.

Im Rahmen der Testbeobachtungen wurden 76 Asteroiden mit zuverlässig bestimmten Rotationsperioden identifiziert. Davon überschritten 19 die 2,2-Stunden-Grenze, drei rotierten sogar schneller als alle fünf Minuten. 2025 MN45 ist jedoch der bei weitem größte dieser schnellen Rotatoren.

Die Entdeckung wirft Fragen zur Entstehung solcher Körper auf. Eine mögliche Erklärung wäre, dass es sich um kompakte Fragmente nach Kollisionen handelt, während lockeres Material ins All geschleudert wurde. Weitere Beobachtungen mit spektroskopischen und thermischen Methoden könnten genauere Aussagen über Zusammensetzung und Struktur ermöglichen.

Die reguläre Himmelsdurchmusterung des Rubin Observatory, die im Juni 2026 begann, wird voraussichtlich weitere derartige Objekte identifizieren. Die bisherigen Ergebnisse deuten darauf hin, dass kohäsiv gebundene Asteroiden möglicherweise häufiger sind als bisher angenommen.

  • Greenstreet, S. et al. (2026): „Discovery of Extremely Rapid Rotation in Main-Belt Asteroid 2025 MN45“, The Astrophysical Journal Letters
  • Vera C. Rubin Observatory Commissioning Data (April-Mai 2025)