Studie schätzt Billionen frei fliegender Planeten in der Milchstraße

Forscher der NASA haben neue Berechnungen vorgelegt, nach denen die Milchstraße etwa 20-mal mehr frei fliegende Planeten als Sterne beherbergt. Die Schätzung basiert auf einer Analyse von Gravitationslinsen-Effekten und wurde im Astronomical Journal veröffentlicht.

Methode und Ergebnisse der Studie

Das internationale Forschungsteam wertete Daten des MOA-Projekts (Microlensing Observations in Astrophysics) aus, das zwischen 2006 und 2014 Sterne im Zentrum der Milchstraße beobachtete. Von 3.535 registrierten Gravitationslinsen-Ereignissen waren sechs besonders kurz – ein Hinweis auf planetare Massen als Ursache.

Die Hochrechnung ergab durchschnittlich 21 frei fliegende oder extrem weit umlaufende Planeten pro Stern. Bei geschätzten 100-400 Milliarden Sternen in der Milchstraße summiert sich dies auf Billionen von Objekten. Die Massen reichen von 0,33 bis 6.660 Erdmassen. Das kürzeste Ereignis dauerte nur 82 Minuten.

Technische Herausforderungen und künftige Forschung

Gravitationslinsen-Messungen erfassen nur die Masse, nicht aber Größe oder Zusammensetzung der Objekte. Ein erdgroßer Planet im Sinne der Studie hat lediglich vergleichbare Masse – Oberflächenbedingungen bleiben unbekannt. Zudem lässt die Methode offen, ob es sich tatsächlich um freifliegende Planeten oder extrem weit entfernte Begleiter von Sternen handelt.

Die NASA plant mit dem Nancy Grace Roman Space Telescope präzisere Untersuchungen. Das für Mitte der 2020er Jahre geplante Infrarot-Teleskop soll Hunderte erdgroße frei fliegende Planeten direkt nachweisen können. Die Mission könnte klären, ob diese Objekte aus Planetensystemen ausgestoßen wurden oder direkt aus interstellaren Gaswolken entstanden.

  • Quelle: The Astronomical Journal (2023)
  • Quelle: NASA Pressemitteilung (Juli 2023)
  • Quelle: Space Daily Bericht zur MOA-Studie