Gravitilab Aerospace Services stellt Betrieb ein und geht in Liquidation

Das britische Raumfahrtunternehmen Gravitilab Aerospace Services hat am 5. August über LinkedIn mitgeteilt, dass es den Geschäftsbetrieb eingestellt hat. Dokumente beim Companies House zeigen, dass die Aktionäre bereits am 20. Juli in einer virtuellen Hauptversammlung die freiwillige Abwicklung beschlossen hatten.

Finanzielle Situation vor der Schließung

Liquidator Price Bailey wurde von den Gläubigern beauftragt. Die eingereichten Unterlagen belegen, dass Gravitilab bei Schließung über 700.000 Pfund an ungesicherte Gläubiger schuldete. Dazu zählen 324.465 Pfund bei Geschäftspartnern, 144.487 Pfund Lohnforderungen von 19 Mitarbeitern sowie 104.515 Pfund bei vier Direktoren. Zusätzlich bestanden Darlehensverbindlichkeiten in Höhe von 59.001 Pfund.

Dem standen lediglich 92.243 Pfund an liquiden Mitteln gegenüber, wovon der Großteil auf einem Kundenkonto gebunden war. Nach Abzug bevorrechtigter Ansprüche wie Urlaubsgeld bleiben etwa 76.712 Pfund für die Gläubiger, was einem Fehlbetrag von 631.070 Pfund entspricht.

Gescheiterte Investition und technische Entwicklungen

Ein wesentlicher Grund für die Insolvenz könnte eine ausgebliebene Investition sein. Gravitilab führte eine Forderung von 24,998 Millionen Pfund gegen die BNP Finnest Group, die auf eine im Juli 2023 zugesagte 25-Millionen-Pfund-Investition zurückgeht. Bis April 2024 waren jedoch nur 20.000 Pfund eingegangen. Das Unternehmen beantragte im Oktober 2024 die Zwangsliquidation von Finnest, die noch läuft.

Gravitilab entwickelte die suborbitale Trägerrakete ISAAC mit Hybridantrieb für Nutzlasten bis 20 Kilogramm auf 170 Kilometer Höhe. Geplante Betriebsaufnahme war 2025, doch erreichte das Projekt diesen Meilenstein nicht. Immerhin absolvierte das Unternehmen zwei Testflüge: 2020 mit der Rakete Peregrine in Australien und 2021 mit dem Modell ADA.

Die Belegschaft schrumpfte von 19 Personen 2023 auf durchschnittlich drei Angestellte 2025. Über den Verbleib von Firmenvermögen oder geistigem Eigentum liegen derzeit keine Informationen vor.