Im August 2017 erlitt eine 26-jährige Frau aus New York bleibende Augenschäden, nachdem sie ohne ausreichenden Schutz in die partielle Sonnenfinsternis geblickt hatte. Mediziner dokumentierten den seltenen Fall einer Solar-Retinopathie mit charakteristischem Schadensmuster.
Klinischer Fall mit eindeutigem Befund
Die Patientin, Nia Payne, hatte während der Sonnenfinsternis am 21. August 2017 für etwa sechs Sekunden direkt in die Sonne geschaut. Anschließend verwendete sie für weitere 15-20 Sekunden eine unzureichende Schutzbrille. Bereits kurz danach bemerkte sie eine verschwommene Stelle im Zentrum ihres Gesichtsfeldes, die sich innerhalb von zwei Tagen zu einer klar definierten Sichelform entwickelte.
Ärzte des New York Eye and Ear Infirmary of Mount Sinai untersuchten den Fall und veröffentlichten ihre Ergebnisse im Fachjournal JAMA Ophthalmology. Obwohl die Sehschärfe mit 20/25 im betroffenen Auge nur leicht reduziert war, beschrieb die Patientin erhebliche Einschränkungen beim Lesen und Erkennen von Details.
Mechanismen der Netzhautschädigung
Die Untersuchungen zeigten Schäden an der Photorezeptorschicht der Netzhaut. Solar-Retinopathie entsteht durch zwei Hauptmechanismen:
- Thermische Schädigung durch fokussiertes Sonnenlicht
- Photochemische Prozesse durch energiereiche Photonen
Besonders betroffen war die Fovea centralis, die Stelle des schärfsten Sehens. Die Schäden zeigten exakt die Form der partiellen Sonnenfinsternis zum Zeitpunkt der Beobachtung. Hochauflösende Aufnahmen mittels adaptiver Optik bestätigten die Zerstörung einzelner Photorezeptorzellen in diesem Bereich.
Photorezeptoren regenerieren nicht, die Schäden sind daher dauerhaft. Der Fall unterstreicht die Notwendigkeit geeigneter Schutzmaßnahmen bei Sonnenbeobachtungen.
- Quelle: Wu, C.Y. et al. (2017). Acute Solar Retinopathy Imaged With Adaptive Optics, Optical Coherence Tomography Angiography, and En Face Optical Coherence Tomography. JAMA Ophthalmology