Weltraumschrott: Eine wachsende Gefahr für die Erdumlaufbahn

Die Anzahl der Objekte in der Erdumlaufbahn hat ein kritisches Niveau erreicht. Laut aktuellen Daten der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) vom 31. Juli 2026 werden etwa 46.160 Objekte regelmäßig erfasst. Davon sind rund 16.000 funktionierende Satelliten, während die restlichen 30.000 aus ausgedienten Satelliten, Raketenteilen und Trümmern bestehen.

Die Dimension des Problems

Die offiziell erfassten Objekte stellen nur einen Teil des Problems dar. ESA-Schätzungen gehen von 54.000 Teilen über 10 Zentimeter Größe aus, darunter etwa 9.300 aktive Nutzlasten. Hinzu kommen 1,2 Millionen Trümmerteile zwischen einem und zehn Zentimetern sowie 140 Millionen Fragmente zwischen einem Millimeter und einem Zentimeter.

Die Gefahr entsteht nicht durch eine vollständige Füllung des Orbits, sondern durch die hohen Geschwindigkeiten und regelmäßigen Bahnkreuzungen. Bei einer Kollision zweier großer Objekte können tausende neue Fragmente entstehen, die ihrerseits weitere Kollisionen verursachen können.

Historische Kollisionen und ihre Folgen

Ein markantes Beispiel ist die Kollision zwischen dem aktiven Satelliten Iridium 33 und dem inaktiven Kosmos 2251 am 10. Februar 2009. Bei einem Aufprall mit 11,7 km/s entstanden über 2.300 nachweisbare Fragmente. Bis Februar 2024 waren noch etwa 500 dieser Teile im Orbit nachweisbar.

Die Auswirkungen solcher Kollisionen sind langfristig. Kleine Trümmerteile von nur einem Zentimeter können bereits Satelliten außer Gefecht setzen, während millimetergroße Partikel kritische Systeme beschädigen können. Die hohen Geschwindigkeiten im Orbit machen selbst kleine Objekte zu potenziellen Gefahren.

Maßnahmen und Herausforderungen

Raumfahrtorganisationen wie ESA und NASA überwachen die Objekte im Orbit und führen regelmäßig Ausweichmanöver durch. ESA-Satelliten in niedrigen Umlaufbahnen führen durchschnittlich zwei Kollisionsvermeidungsmanöver pro Jahr durch, während die Sentinel-Satelliten etwa alle drei Monate ihre Bahn anpassen müssen.

Das sogenannte Kessler-Syndrom beschreibt einen sich selbst verstärkenden Effekt, bei dem Kollisionen immer mehr Trümmer erzeugen, die wiederum neue Kollisionen verursachen. Besonders betroffen sind Umlaufbahnen zwischen 700 und 1.000 Kilometern Höhe, wo Trümmer besonders lange verbleiben.

  • Quelle: ESA Space Debris Report 2026
  • Quelle: NASA Orbital Debris Program Office
  • Quelle: ESA MASTER Modell