Außenbordeinsätze, auch bekannt als Weltraumspaziergänge oder EVAs (Extravehicular Activities), sind ein zentraler Bestandteil der Raumfahrt. Astronauten der Internationalen Raumstation ISS führen sie regelmäßig durch, um Wartungsarbeiten vorzunehmen oder neue Instrumente zu installieren. Die Vorbereitung auf diese Einsätze findet jedoch nicht im Weltraum, sondern in speziellen Wassertanks auf der Erde statt.
Das Neutral Buoyancy Lab als Trainingsumgebung
Das Neutral Buoyancy Lab (NBL) der NASA im Johnson Space Center in Houston dient als Haupttrainingsstätte für Weltraumausstiege. Der Pool mit über sechs Millionen Gallonen Wasser simuliert die Schwerelosigkeit des Weltraums. Astronauten erreichen durch abgestimmte Gewichte und Auftriebshilfen an ihren Raumanzügen einen neutralen Auftrieb – sie sinken nicht und steigen nicht auf.
Die heutigen Trainingsmethoden haben sich aus früheren Erfahrungen entwickelt. Während der Gemini-Missionen in den 1960er Jahren zeigte sich, dass bisherige Trainingsverfahren wie Parabelflüge oder Luftkissentische den realen Bedingungen nicht gerecht wurden. Besonders die Gemini IX-A-Mission 1966 mit Astronaut Eugene Cernan offenbarte die physischen Herausforderungen von EVAs unter realen Bedingungen.
Entwicklung der Trainingsmethoden
Buzz Aldrin war 1966 der erste Astronaut, der ein umfassendes Unterwassertraining in einem Pool erhielt. Seine erfolgreiche EVA während der Gemini XII-Mission bewies die Wirksamkeit dieser Methode. Seitdem wurden die Trainungsanlagen kontinuierlich erweitert – von ersten Einrichtungen in den 1960er Jahren bis zum heutigen NBL, das 1997 in Betrieb genommen wurde.
Das aktuelle NBL verfügt über eine 62 Meter lange, 31 Meter breite und 12 Meter tiefe Beckenanlage. Darin befinden sich detailgetreue Nachbauten von ISS-Modulen. Die Astronauten trainieren dort über mehrere Stunden in speziell angepassten Raumanzügen, begleitet von Tauchern. Zusätzlich kommen virtuelle Realitätssysteme zum Einsatz, die Weltraumbedingungen simulieren.
Weltraumausstiege dienen verschiedenen Zwecken: Von Wartungsarbeiten an der ISS über Reparaturen wie der Austausch des Canadarm2-Gelenks im Jahr 2026 bis hin zu Tests neuer Raumanzugtechnologien. Der erste private Weltraumausstieg während der Polaris Dawn-Mission 2024 demonstrierte die Entwicklung kommerzieller Raumanzüge durch SpaceX.
Die Sicherheit der Astronauten steht bei EVAs an erster Stelle. Neben Sicherheitsleinen kommen heute SAFER-Rettungssysteme (Simplified Aid for EVA Rescue) zum Einsatz – Rucksacksysteme mit Steuerdüsen für Notfälle. Der letzte freie Weltraumausstieg ohne Sicherheitsleine fand 1984 mit dem Manned Maneuvering Unit statt, ein System, das heute nicht mehr verwendet wird.
- Quelle: NASA Johnson Space Center – Neutral Buoyancy Laboratory
- Quelle: NASA Historical Reference Collection – Gemini Program Archives
- Quelle: SpaceX Press Kit – Polaris Dawn Mission