Der Saturnmond Enceladus bietet eine einzigartige Möglichkeit, Material aus seinem unterirdischen Ozean zu untersuchen – ohne aufwändige Landungen oder Bohrungen. Durch aktive Geysire am Südpol gelangt Ozeanmaterial direkt ins All, wo es von vorbeifliegenden Raumsonden analysiert werden kann.
Plume als wissenschaftliches Fenster
Enceladus besitzt einen globalen Salzwasserozean unter einer Eiskruste. Besonders sind die sogenannten „Tigerstreifen“ am Südpol, durch die Wasserdampf und Eispartikel mit etwa 1.300 km/h ins All geschleudert werden. Diese Fontänen enthalten Salze, Ammoniak, Methan, Silikatpartikel und organische Verbindungen.
Im Gegensatz zu anderen Ozeanmonden entfällt bei Enceladus das technisch extrem anspruchsvolle Durchdringen der Eiskruste. Die NASA bezeichnete die Fontänen als „kostenlose Proben“ des unterirdischen Ozeans, wobei dieser Zugang jedoch keine unveränderten Meerwasserproben liefert.
Cassini-Mission liefert Schlüsseldaten
Die Cassini-Sonde der NASA führte zwischen 2005 und 2017 23 gezielte Vorbeiflüge an Enceladus durch. Obwohl nicht speziell für diese Untersuchungen ausgelegt, konnten ihre Instrumente Gaszusammensetzungen und Eispartikel analysieren. Bei einem Vorbeiflug im Oktober 2015 näherte sich Cassini bis auf 49 km der Oberfläche.
Die Messungen zeigten Hinweise auf flüssiges Wasser in Kontakt mit Gestein, mögliche chemische Energiequellen und Phosphor – ein essentielles Element für irdisches Leben. Die Daten stammten ausschließlich aus Analysen des Plume-Materials, nicht aus direkten Ozeanproben.
Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass sich die chemische Zusammensetzung des Materials während des Aufstiegs durch die Eisspalten verändert. Nur etwa 1-4% der analysierten Eispartikel wiesen hohe Konzentrationen organischer Verbindungen auf. Zukünftige Missionen sollten daher einzelne Partikel separat untersuchen und deren Fundumstände dokumentieren.
- NASA Cassini Mission Reports
- The Planetary Science Journal (2022)
- Nature Astronomy (2025)