Die Europäische Union hat begonnen, die Veröffentlichung von Satellitenbildern der Schifffahrtsrouten nahe der Straße von Hormus um 24 Stunden zu verzögern. Diese Maßnahme erfolgt auf Ersuchen der US-Regierung und fällt mit der erneuten Eskalation des Konflikts zwischen den USA und Iran zusammen.
Änderung der Datenfreigabepolitik
Die ungewöhnliche Anpassung der bisher freien Datenpolitik des europäischen Erdbeobachtungsprogramms Copernicus wurde von Space News aufgedeckt. Demnach beschloss der Rat der EU am 13. Juli die Bildverzögerung für Aufnahmen der Sentinel-1- und Sentinel-2-Satelliten. Das betroffene Gebiet umfasst den Golf von Oman mit den Schifffahrtsrouten zur umkämpften Straße von Hormus.
Laut dem von Space News eingesehenen Dokument hatte die US-Regierung die Beschränkung der Copernicus-Satellitenbilder bereits am 26. Mai beantragt. Dieser Zeitpunkt fiel in eine brüchige Waffenruhephase des Konflikts, die vom 8. April bis zum 8. Juli dauerte.
Militärische Nutzung von Satellitenbildern
Satellitenaufnahmen spielen im seit dem 28. Februar andauernden Konflikt zwischen den USA, Israel und Iran eine wichtige Rolle für militärische Aufklärung und Open-Source-Intelligence. Die US-Streitkräfte und Nachrichtendienste nutzen ihre Satellitenkonstellationen kontinuierlich zur Überwachung iranischer Aktivitäten.
Iran greift seinerseits auf chinesische Satellitenbilder zurück, um US-Militärbasen und andere Ziele auszukundschaften. Die nun beschlossene 24-stündige Verzögerung europäischer Satellitenbilder soll den USA einen militärischen Vorteil verschaffen.