Die NASA plant mit Artemis IV die erste bemannte Mondlandung seit Apollo. Während die Raumfahrtbehörde bisher den lunaren Südpol als Ziel bevorzugte, gibt es nun Diskussionen über alternative Landeplätze.
Debatte über Südpol vs. Äquator
Victor Glover, Pilot der Artemis-II-Mission, äußerte Bedenken gegenüber den aktuellen Plänen. Bei einer Veranstaltung am Ames Research Center schlug er vor, zunächst Regionen näher am Mondäquator anzusteuern. Diese Gebiete bieten längere Tageslichtperioden und ermöglichen im Notfall schnellere Rücktransporte zur Erde.
Der Südpol bleibt wissenschaftlich attraktiv wegen vermuteter Wassereisvorkommen in permanent beschatteten Kratern. Diese Ressourcen wären essentiell für eine dauerhafte Mondbasis. Allerdings stellt die komplexe Orbitalmechanik in polaren Umlaufbahnen technische Herausforderungen dar.
Technische und politische Faktoren
Die geplante Near-Rectilinear Halo Orbit (NRHO) für das Lunar Gateway würde nur wöchentliche Rückkehrmöglichkeiten bieten. Glover verwies auf das Risiko bei medizinischen Notfällen: „Bei einem Problem wären Astronauten eine Woche lang gestrandet.“
Parallel dazu wächst der Zeitdruck durch Chinas Mondambitionen. Das Land plant bis 2030 eine bemannte Landung und könnte den USA bei der Erschließung des Südpols zuvorkommen. Experten warnen vor geopolitischen und wirtschaftlichen Konsequenzen eines solchen Szenarios.
Für Artemis IV erwägt SpaceX mittlerweile eine äquatornahe Umlaufbahn für das Starship-Landemodul. Jessica Jensen von SpaceX bestätigte Pläne für ein Rendezvous mit Orion im Erdorbit statt in NRHO. Diese Variante würde die Missionsflexibilität erhöhen.
- Space News: „Artemis astronaut suggests reconsidering lunar south pole focus“ (21.07.2023)
- NASA Exploration Science Forum 2023
- SpaceX Präsentation zum Artemis-Programm (09.06.2023)
