Airbus Detumbler: Passives System zur Stabilisierung von Satelliten am Lebensende

Die Europäische Weltraumorganisation ESA schätzt, dass ohne Maßnahmen zur aktiven Beseitigung von Weltraumschrott (Active Debris Removal, ADR) bestimmte Umlaufbahnen in niedrigen Höhen unbrauchbar werden könnten. Ein zentrales Problem sind außer Kontrolle geratene Satelliten, die nach Missionsende zu taumeln beginnen. Airbus hat mit dem Detumbler eine passive Lösung entwickelt, die dieses Problem adressiert.

Funktionsweise des Detumbler-Systems

Der Detumbler ist ein magnetisches Dämpfungssystem, das ohne externe Energiequelle arbeitet. Ein magnetisierter Rotor im Inneren des Geräts richtet sich am Erdmagnetfeld aus. Bei Taumelbewegungen des Satelliten induziert die Rotation des Gehäuses um den Rotor Wirbelströme, die kinetische Energie dissipieren. Laut Airbus reduziert sich der Drehimpuls exponentiell, bis der Satellit innerhalb weniger Monate bis zu einem Jahr stabilisiert ist.

Das System wiegt etwa 200 Gramm und kann in bestehende Satellitenplattformen integriert werden, ohne größere Modifikationen zu erfordern. Im Gegensatz zu aktiven Lageregelungssystemen benötigt der Detumbler weder Strom noch Steuerungssoftware. Die Technologie hat die Technologiereifegradstufe (TRL) 8 erreicht und ist serienreif.

Beitrag zur Nachhaltigkeit im Weltraum

Die ESA fordert für Missionen in niedrigen Umlaufbahnen (LEO) mit einer Masse über 500 kg Nachweise zur Stabilisierung am Lebensende. Der Detumbler erfüllt diese Anforderungen und soll aktive Bergungsmissionen wirtschaftlicher machen. Tests belegen eine Wirksamkeit bei Störkräften bis zu 5 Mikronewtonmeter.

MDA Space wird die Technologie erstmals in größerem Maßstab in seiner AURORA-LEO-Satellitenkonstellation einsetzen. Airbus positioniert den Detumbler als Beitrag zu den Zero-Debris-Zielen der ESA und zur langfristigen Nutzbarkeit des erdnahen Orbits, insbesondere angesichts der Zunahme von Mega-Konstellationen.