Ein russischer Militärsatellit hat in den letzten Tagen ungewöhnliche Manöver in unmittelbarer Nähe eines kommerziellen Erdbeobachtungssatelliten durchgeführt. Laut dem Unternehmen LeoLabs, das auf die Überwachung von Objekten im erdnahen Orbit spezialisiert ist, handelt es sich um den ersten bekannten Fall eines nicht genehmigten Rendezvous-Manövers in dieser Umlaufbahn.
Details der Annäherung
Der russische Satellit Kosmos 2612 bewegte sich gezielt auf den US-amerikanischen Satelliten ICEYE-X36 zu, der von der Ukraine genutzt wird. Die Distanz verringerte sich von mehreren hundert Kilometern auf wenige hundert Meter. Anschließend umkreiste Kosmos 2612 den ICEYE-Satelliten für einen längeren Zeitraum, bevor er sich wieder entfernte.
US-Militärbehörden und unabhängige Analysten verfolgen die Bewegungen von Kosmos 2612 seit seinem Start im April. Bereits wenige Wochen nach dem Start wurde deutlich, dass mindestens vier von sechs Satelliten dieser Mission ihre Umlaufbahnen an die des ICEYE-Satelliten angepasst hatten.
Technische Aspekte der Beobachtung
LeoLabs nutzt ein globales Netzwerk von Radaranlagen, um Objekte ab einer Größe von zwei Zentimetern im erdnahen Orbit zu verfolgen. Die extreme Nähe der beiden Satelliten führte zeitweise zu Schwierigkeiten bei der Unterscheidung der beiden Objekte.
Experten bewerten die Manöver als gezielte Annäherungsoperation (Rendezvous and Proximity Operations, RPO). Dabei handelte es sich nicht um eine zufällige Begegnung, sondern um eine kontrollierte Annäherung mit anschließender Positionsänderung und längerem Verbleib in unmittelbarer Nähe.
- Quelle: Ars Technica