Astronomen haben mit Hilfe des Chandra-Röntgenteleskops der NASA die Entstehung einer ungewöhnlichen Radiowellen-Struktur untersucht, die aufgrund ihrer Form den Spitznamen „Violinschlüssel“ erhielt. Die Struktur entstand durch den Ausbruch eines supermassereichen Schwarzen Lochs und die anschließende Kollision zweier Galaxienhaufen. Die Ergebnisse der Studie wurden im Fachjournal Astronomy & Astrophysics veröffentlicht.
Herausfordernde Beobachtung durch Milchstraßenebene
Die Untersuchung des „Violinschlüssels“ gestaltete sich besonders schwierig, da sich die Struktur fast direkt hinter der Ebene der Milchstraße befindet. Sterne, Gas und Staub unserer Heimatgalaxie blockieren größtenteils die Sicht von der Erde aus. Durch den Einsatz von Teleskopen, die das dazwischenliegende Material durchdringen können, gelang es den Forschern jedoch, die Ursache der ungewöhnlichen Formation zu entschlüsseln.
Das Chandra-Röntgenteleskop und das deutsche eROSITA-Teleskop entdeckten heißes Gas an der Position des „Violinschlüssels“, was auf einen Galaxienhaufen hinweist. Die Analyse ergab, dass es sich tatsächlich um zwei Galaxienhaufen handelt, die sich gerade vereinigen. Galaxienhaufen gehören zu den größten Strukturen im Universum und enthalten Hunderte von Einzelgalaxien sowie riesige Mengen an überhitztem Gas.
Zweistufiger Entstehungsprozess
Die Forscher gehen davon aus, dass sich der „Violinschlüssel“ in einem zweistufigen Prozess gebildet hat. Zunächst trieb ein Ausbruch des supermassereichen Schwarzen Lochs im Zentrum des Galaxienhaufens Wolken aus geladenen Teilchen und Magnetfeldern mit nahezu Lichtgeschwindigkeit nach außen. Dies erzeugte zunächst helle Radiowellen, die mit der Zeit schwächer wurden, als die Teilchen Energie verloren.
In der zweiten Phase führte die Kollision der beiden Galaxienhaufen dazu, dass die Wolke komprimiert und wieder energetisiert wurde, wodurch sie erneut in Radiowellen aufleuchtete. Stoßwellen, ähnlich den Überschallknallen von Düsenflugzeugen, könnten bei diesem Prozess eine Rolle gespielt haben. Die Kollision erfolgte vermutlich entlang der links-rechts-Achse, wie die Analyse der Röntgendaten zeigt.
Die Ähnlichkeit mit einem Violinschlüssel ist ein Beispiel für Pareidolie, bei der Menschen vertraute Formen in zufälligen Mustern erkennen. Es besteht kein wissenschaftlicher Zusammenhang mit der musikalischen Notation. Die direkte Kollision der beiden Galaxienhaufen fand vor einigen hundert Millionen Jahren statt, und die Haufen entfernen sich nun voneinander.
- Quelle: NASA/CXC/INAF-IRA/A. Botteon et al.
- Infrarotdaten: UKIDSS-GPS
- Radiodaten: ASTRON/LOFAR
- Bildverarbeitung: NASA/CXC/SAO/N. Wolk