Im Mai 1963 startete das Projekt West Ford, eine Initiative des MIT Lincoln Laboratory im Auftrag der US Air Force. Ziel war es, eine stabile Kommunikationsmethode zu entwickeln, die weder durch Sonneneruptionen noch durch Störungen beeinträchtigt werden konnte. Dazu wurden 480 Millionen Kupferdrähte, jeweils 1,78 Zentimeter lang und weniger als zwei Hundertstel Millimeter dick, in eine lichtempfindliche Bindung eingebettet. Diese Drähte sollten sich im Orbit verteilen und einen Ring um die Erde bilden, der als Reflektor für Radiowellen dienen sollte.
Die Technologie hinter dem Projekt
Die Idee hinter Projekt West Ford stammte von Walter Morrow vom Lincoln Laboratory und Harold Meyer von Ramo-Wooldridge. Sie schlugen vor, einen künstlichen Ionosphärenring aus Metall zu schaffen, der als Reflektor für Radiowellen fungieren sollte. Jeder Draht war so dimensioniert, dass er mit den X-Band-Mikrowellen der Bodenstationen resonierte. Die Drähte sollten von einer 60-Fuß-Antenne angestrahlt werden, und das gestreute Echo würde dann eine Empfangsantenne auf der anderen Seite des Kontinents erreichen.
Der erste Versuch im Oktober 1961 scheiterte, da die Drähte nicht wie geplant freigesetzt wurden. Stattdessen bildeten sich einige nutzlose Klumpen im Orbit. Der zweite Versuch im Mai 1963 war erfolgreicher. Die Drähte wurden in einem rotierenden Zylinder verpackt, der sich im Sonnenlicht auflöste und die Drähte freisetzte. Innerhalb von etwa 40 Tagen bildete sich ein vollständiger Ring um die Erde.
Die Auswirkungen und das Erbe des Projekts
Das Projekt West Ford war nur kurzzeitig erfolgreich. Die Datenraten sanken schnell, und nach etwa 50 Tagen war der Ring zu dünn, um effektiv zu funktionieren. Bis Ende 1965 waren die meisten Drähte aus dem Orbit verschwunden. Dennoch sind noch heute zwischen 36 und 39 Klumpen dieser Drähte im Orbit nachweisbar, wie aktuelle Satellitenkataloge zeigen.
Astronomen hatten das Projekt von Anfang an kritisiert, da sie befürchteten, dass die Drähte ihre Beobachtungen sowohl im optischen als auch im Radiobereich beeinträchtigen würden. Die Internationale Astronomische Union (IAU) und die US National Academy of Sciences richteten Überwachungsausschüsse ein, um die Auswirkungen des Projekts zu überwachen. Die Ingenieure argumentierten, dass die Drähte aufgrund ihrer geringen Masse und großen Oberfläche schnell aus dem Orbit entfernt werden würden, was sich später bestätigte.
Das Projekt West Ford hatte auch langfristige Auswirkungen auf die internationale Raumfahrtpolitik. Der Weltraumvertrag von 1967, der unter anderem die friedliche Nutzung des Weltraums regelt, wurde teilweise durch die Diskussionen um Projekt West Ford beeinflusst. Artikel IX des Vertrags verpflichtet Staaten, internationale Konsultationen durchzuführen, wenn sie Aktivitäten planen, die potenziell schädliche Auswirkungen auf die Raumfahrt anderer Nationen haben könnten.
- Quelle: Space Daily
- Quelle: Harvard Crimson
- Quelle: NASA Orbital Debris Program Office