Fingernagelverletzungen bei Astronauten durch Raumanzüge

Eine Studie der NASA hat gezeigt, dass Raumanzüge bei Astronauten zu Fingernagelverletzungen führen können. Von 179 untersuchten US-Astronauten erlitten 22 eine Ablösung des Nagels vom Nagelbett, bekannt als Onycholysis. Interessanterweise traten 27 der 31 dokumentierten Verletzungen nicht im Weltraum, sondern während des Trainings im NASA-Schwimmbecken auf.

Hintergrund der Studie

Ein Team unter der Leitung der Epidemiologin Jacqueline Charvat analysierte medizinische Aufzeichnungen von Astronauten aus den Jahren 1981 bis 2010. Die Studie umfasste die Ära der Space Shuttle und der frühen Internationalen Raumstation. Von den 179 Astronauten, die entweder im Raumanzug trainiert oder einen Weltraumspaziergang durchgeführt hatten, erlitten 31 Nagelverletzungen. Nur vier davon ereigneten sich im Orbit, die restlichen 27 während des Trainings im Neutral Buoyancy Laboratory (NBL) im Johnson Space Center.

Das NBL ist ein riesiges Schwimmbecken mit einer Länge von 202 Fuß und einer Tiefe von 40 Fuß, das mit 6,2 Millionen Gallonen chloriertem Süßwasser gefüllt ist. Astronauten absolvieren dort sechsstündige Trainingseinheiten, bei denen die Handschuhe des Raumanzugs ständig unter Druck stehen. Dieser Druck führt dazu, dass jeder Fingerbewegung Widerstand entgegengesetzt wird, was die Fingerspitzen gegen das Ende des Handschuhs drückt.

Ursachen und Risikofaktoren

Die Forscher identifizierten zwei Hauptursachen für die Verletzungen: mechanischen Druck und Feuchtigkeit. Der Druck in den Handschuhen reduziert die Blutzufuhr zu den Fingerspitzen um 40 bis 50 Prozent, was zu einer anhaltenden Quetschung führt. Gleichzeitig sammelt sich Schweiß in den versiegelten Handschuhen, was die Nägel anfälliger für Ablösungen macht.

Eine frühere Studie des MIT hatte gezeigt, dass die Handumfang eine Rolle spielt: Männer mit einem Handumfang von mehr als neun Zoll hatten ein höheres Risiko für Nagelverletzungen. Die aktuelle Studie konnte diesen Zusammenhang jedoch nicht bestätigen. Stattdessen erwies sich die Passform der Handschuhe als entscheidender Faktor. Eine Diskrepanz zwischen der Länge des Mittelfingers des Handschuhs und dem Mittelfinger des Trägers erhöhte das Verletzungsrisiko signifikant.

Weitere Risikofaktoren waren längere Trainingseinheiten, das Geschlecht (Frauen waren doppelt so häufig betroffen wie Männer) und die Art des Handschuhs. Der neuere Phase VI-Handschuh war mit einem 8,5-fach höheren Risiko verbunden als der ältere 4000 Series-Handschuh. Allerdings ist diese Zahl mit Vorsicht zu interpretieren, da sich die Berichterstattung über Verletzungen in diesem Zeitraum verbessert hatte.

Maßnahmen und zukünftige Entwicklungen

Die NASA hat bereits Maßnahmen ergriffen, um das Risiko von Nagelverletzungen zu reduzieren. Dazu gehören Nagelhärter, Verbände und der Rat, die Nägel kurz zu halten. Ein früherer Ansatz bestand darin, längere Belüftungsröhren in den Handschuhen zu installieren, um diese trockener zu halten.

Der neue Raumanzug für die Mondmissionen, der AxEMU von Axiom Space, wurde ebenfalls im NBL getestet. Diese Tests sind notwendig, um sicherzustellen, dass die Handschuhe des neuen Anzugs keine ähnlichen Probleme verursachen. Dennoch bleibt die Ironie bestehen: Um herauszufinden, ob die Handschuhe die Nägel abreißen, müssen Astronauten zunächst Hunderte von Stunden im Wasser verbringen, das bereits für solche Verletzungen verantwortlich ist.

  • Quelle: NASA-Studie zu Fingernagelverletzungen bei Astronauten
  • Quelle: Neutral Buoyancy Laboratory (NBL) am Johnson Space Center