KI-Tool entdeckt über 800 unbekannte Objekte im Hubble-Archiv

Im Januar 2026 haben europäische Astronomen ein KI-gestütztes Mustererkennungsprogramm eingesetzt, um fast 100 Millionen Bildausschnitte aus dem Hubble-Archiv zu analysieren. Die Auswertung dauerte lediglich zweieinhalb Tage und führte zur Identifizierung von über 800 Objekten, die zuvor noch nie in der wissenschaftlichen Literatur dokumentiert worden waren. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Astronomy & Astrophysics veröffentlicht.

Die Methode hinter der Entdeckung

Das verwendete Tool namens AnomalyMatch ist kein autonomer Roboterastronom, sondern ein Programm, das Muster erkennt. Es lernt, was „ungewöhnlich“ aussieht, indem es eine kleine Anzahl von Beispielen mit einer großen Menge unmarkierter Bilder vergleicht. Die unsichersten Funde werden von Menschen überprüft, und die Ergebnisse fließen zurück in das System. David O’Ryan und Pablo Gómez, die beiden Astronomen der Europäischen Weltraumorganisation (ESA), bezeichneten dies als „fantastische Nutzung von KI, um den wissenschaftlichen Ertrag des Hubble-Archivs zu maximieren“.

Die Analyse der fast 100 Millionen Bildausschnitte dauerte nur zweieinhalb Tage. Anschließend sichteten die Forscher die Top-Kandidaten manuell und bestätigten über 1.300 echte Anomalien. Davon waren mehr als 800 Objekte zuvor noch nie dokumentiert worden. Dies ist bemerkenswert, da das Hubble-Archiv seit Jahrzehnten von Fachleuten und Freiwilligen durchsucht wird.

Was das Tool entdeckte

Die größte Gruppe der Funde bestand aus 417 verschmelzenden und interagierenden Galaxien, die sich inmitten einer Kollision befinden. Darüber hinaus wurden 86 neue potenzielle Gravitationslinsen identifiziert, bei denen ein massereiches Objekt im Vordergrund das Licht eines dahinterliegenden Objekts verzerrt und vergrößert. Weitere Entdeckungen umfassen Ringgalaxien und 35 sogenannte Quallen-Galaxien, die durch ihre gasförmigen Schweife charakterisiert sind. Zudem wurden mehrere Dutzend Objekte gefunden, die keiner bekannten Kategorie zugeordnet werden konnten.

Der Begriff „Anomalie“ bedeutet in diesem Kontext nicht, dass die Objekte unerklärlich sind. Vielmehr handelt es sich um statistisch ungewöhnliche Phänomene, die sich von gewöhnlichen Galaxien und Sternen unterscheiden. Die meisten dieser Objekte sind als Phänomene gut verstanden. Der Wert der Entdeckungen liegt darin, dass das Tool seltene, reale Objekte identifizierte, die bisher noch nicht katalogisiert worden waren.

Die Bedeutung der Methode

Das Besondere an dieser Entdeckung ist nicht ein einzelnes Objekt, sondern die Methode selbst. Die über 800 Objekte wurden nicht neu beobachtet, sondern waren bereits seit Jahren im öffentlichen Hubble-Archiv vorhanden. Dies unterstreicht die Bedeutung der systematischen Durchsuchung vorhandener Datenbestände. Mit der bevorstehenden Inbetriebnahme von Observatorien wie dem Vera C. Rubin Observatory, das über zehn Jahre mehr als 50 Petabyte an Bilddaten sammeln wird, wird die Notwendigkeit solcher Tools weiter zunehmen.

Pablo Gómez betonte, dass die Ergebnisse zeigen, wie nützlich das Tool für andere große Datensätze sein wird. Die Entdeckungen im Hubble-Archiv demonstrieren, dass selbst in gut durchsuchten Datenbeständen noch unbekannte Objekte gefunden werden können. Dies könnte die Art und Weise verändern, wie Wissenschaftler zukünftig mit astronomischen Daten umgehen.