Der als Sakurai’s Objekt bekannte Stern V4334 Sagittarii zeigt erneut signifikante Veränderungen. Astronomen beobachten derzeit, wie der etwa 10.000 Lichtjahre entfernte Stern Material abstößt und sich aufheizt. Seine Ausdehnung entspricht inzwischen etwa der Größe unseres Sonnensystems.
Einzigartige Chance für die Sternenforschung
Die meisten Sterne entwickeln sich über Zeiträume von Millionen oder Milliarden Jahren. Sakurai’s Objekt hingegen verändert sich innerhalb weniger Jahrzehnte deutlich. Diese außergewöhnlich schnelle Entwicklung ermöglicht Wissenschaftlern, stellare Evolution quasi in Echtzeit zu untersuchen.
Albert Zijlstra vom Jodrell Bank Centre for Astrophysics erklärt: „Mit unseren Beobachtungen können wir Theorien zur Sternentwicklung testen und neue Erkenntnisse über eine der kürzesten und am wenigsten verstandenen Phasen im Leben eines sterbenden Sterns gewinnen.“
Wiedergeburt durch thermischen Puls
Der Stern ähnelt in seiner ursprünglichen Masse unserer Sonne. Nachdem er seinen nuklearen Brennstoff verbraucht hatte, sollte er eigentlich zu einem Weißen Zwerg kollabieren. Stattdessen durchlief Sakurai’s Objekt 1996 einen sogenannten sehr späten thermischen Puls, bei dem eine Heliumschicht im Inneren des Sterns plötzlich wieder zündete.
Dieser Prozess führte zu einer raschen Ausdehnung und Abkühlung des Sterns, begleitet von starkem Materieauswurf. Dadurch kehrte der Stern in eine frühere Entwicklungsphase zurück – ein Phänomen, das als „Wiedergeburt“ bezeichnet wird. Bisher wurde dieser Vorgang nur bei zwei Sternen beobachtet: Sakurai’s Objekt und V605 Aquilae.
Aktuelle Messungen mit dem Very Large Telescope zeigen, dass Sakurai’s Objekt Temperaturen zwischen 27.000 und 36.000 Grad Celsius erreicht. Die Aufheizung verläuft langsamer als einige Modelle vorhergesagt hatten. Die Beobachtungen deuten darauf hin, dass sich der Stern in einem früheren Entwicklungsstadium befindet als V605 Aquilae, dessen thermischer Puls vor etwa 80 Jahren stattfand.
Die Forscher planen weitere Beobachtungen, um den Prozess der Sternentwicklung bis zur Entstehung eines Weißen Zwergs zu dokumentieren. Die Ergebnisse wurden in den Monthly Notices of the Royal Astronomical Society veröffentlicht.
- Quelle: Space.com