Die globale Sandknappheit und ihre Folgen

Sand und Kies gehören zu den am meisten genutzten Ressourcen der Erde, direkt nach Wasser. Laut dem United Nations Environment Programme (UNEP) werden jährlich etwa 50 Milliarden Tonnen Sand und Kies abgebaut. Diese Menge übersteigt die nachhaltige Verfügbarkeit bei Weitem. Sand ist ein zentraler Bestandteil von Beton, Asphalt und Glas, während hochreines Siliziumdioxid als Rohstoff für die Herstellung von Elektronik und Photovoltaikzellen dient.

Die Herausforderungen bei der Sandgewinnung

Nicht jeder Sand ist für den Bau geeignet. Windverwehter Dünensand ist oft zu fein und rund, um den Anforderungen von Beton zu entsprechen, ohne zusätzliche Verarbeitung. Die Eignung von Sand hängt von Faktoren wie Korngröße, Form und mineralischer Zusammensetzung ab. Selbst in Wüstenregionen ist der Sand nicht automatisch nutzbar. Stattdessen wird Sand für Bauzwecke häufig aus Flüssen, Seen, Küsten und Meeresablagerungen gewonnen oder durch das Zerkleinern von Gestein hergestellt.

Ein Beispiel für die Herausforderungen ist Singapur, das seit den 1960er Jahren durch Landgewinnung sein Territorium erweitert hat. Das Land importierte große Mengen Sand aus Nachbarstaaten, bis diese aufgrund von Umweltbedenken Exportbeschränkungen einführten.

Umweltauswirkungen und illegale Aktivitäten

Der globale Sandverbrauch hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten verdreifacht, vor allem aufgrund der Urbanisierung und des Infrastrukturausbaus in China, Indien und Südostasien. Die Umweltauswirkungen des Sandabbaus sind gravierend: Flussvertiefungen, Ufererosion, Grundwasserverschmutzung und der Verlust von Lebensräumen für aquatische Arten sind dokumentiert.

Die UNEP fordert die Anerkennung von Sand als strategische Ressource und die Einführung von rechtlichen Rahmenbedingungen, ähnlich wie bei Erdöl, Holz oder Metallerzen. Bislang gibt es jedoch keine internationalen Regelungen. Auf nationaler Ebene haben einige Länder wie Indien, Kenia und Indonesien Beschränkungen oder Verbote für den unkontrollierten Sandabbau eingeführt, doch die Durchsetzung ist oft unzureichend.

Diese Lücke zwischen rechtlichen Vorgaben und tatsächlicher Nachfrage hat illegale Aktivitäten begünstigt. Organisierte kriminelle Netzwerke, oft als „Sandmafia“ bezeichnet, kontrollieren einen erheblichen Teil des Sandabbaus in mehreren Ländern. In Indien arbeiten schätzungsweise 75.000 Menschen im illegalen Sandabbau, oft unter gefährlichen Bedingungen. Gewalt und Korruption sind weit verbreitet, und Journalisten, die über diese Praktiken berichten, wurden bereits angegriffen oder getötet.

  • Quelle: United Nations Environment Programme (UNEP)
  • Quelle: Nautilus-Bericht von Katharine Gammon