Forscher haben erstmals das Mineral Andradit, ein eisen- und kalziumreiches Garnet, in einem Marsmeteoriten identifiziert. Der Fund im Meteoriten NWA 8171 erweitert die bekannte Mineralogie des Roten Planeten. Die Studie wurde im Fachjournal Geochemical Perspectives Letters veröffentlicht.
Winziger Einschluss mit großer Bedeutung
Das untersuchte Fragment misst nur 540 mal 830 Mikrometer und befindet sich in einer Probe des Royal Ontario Museums. Drei Analysemethoden bestätigten die Präsenz von Andradit (Ca3Fe3+2(SiO4)3):
- Elektronenmikrosonden-Analyse für die chemische Zusammensetzung
- Raman-Spektroskopie zur Kristallstruktur
- Elektronenrückstreuungsbeugung für die Kristallorientierung
Der Einschluss zeigt zwei unterschiedliche, aber verwachsene Bereiche: einen mit Andradit-Körnern in einer Diopsid-Matrix und einen mit Kalifeldspat und Augit. Chlorapatit kommt in beiden Bereichen vor.
Offene Fragen zur Entstehung
Die Herkunft des Garnets bleibt ungeklärt. Vier Entstehungsszenarien sind möglich:
- Magmatische Bildung durch alkalireiche Magmadifferenzierung
- Metamorphose durch Hitze von Intrusionen oder Einschlägen
- Metasomatose durch chemisch aktive Fluide
- Einschlag von Asteroidenmaterial auf dem Mars
Die Mangan-Eisen-Verhältnisse im Pyroxen deuten auf marsianischen Ursprung hin, während die Diopsid-Zusammensetzung auch irdische oder chondritische Herkunft zulässt. Isotopenanalysen könnten Klarheit bringen, würden aber Teile der seltenen Probe zerstören.
NWA 8171 gehört zu einer Gruppe von 18 gepaarten Regolith-Brekzien vom Mars, darunter der bekannte Meteorit „Black Beauty“ (NWA 7034). Diese dunklen, fragmentreichen Gesteine stammen aus der stark durch Einschläge geprägten Marskruste.
Die Studie zeigt, wie einzelne kleine Einschlüsse das mineralogische Archiv des Mars erweitern können, ohne dass damit alle Fragen zur geologischen Geschichte des Planeten beantwortet werden.
- Quelle: Kizovski et al. (2023), Geochemical Perspectives Letters
- Quelle: Royal Ontario Museum Sammlungsdaten