Goldman Sachs überträgt riesiges Waldgebiet in Chile an Naturschutzorganisation

Im Jahr 2002 erwarb die Investmentbank Goldman Sachs im Rahmen eines Portfolios notleidender Kredite ein ungewöhnliches Sicherungsgut: 680.000 Acres Wald- und Naturfläche auf der chilenischen Seite von Tierra del Fuego. Das Land, etwa so groß wie der US-Bundesstaat Rhode Island, gehörte ursprünglich der US-Holzfirma Trillium Corporation, die es abholzen wollte.

Von geplantem Kahlschlag zum Naturschutzgebiet

Trillium hatte das Gebiet für den kommerziellen Einschlag von Lenga-Buchen erworben, einer für die Region typischen Baumart. Auf massiven Widerstand von Umweltgruppen stieß das Vorhaben, was letztlich zur finanziellen Schieflage des Unternehmens führte. Als die Kredite ausfielen, gelangte das Land ungeplant in den Besitz von Goldman Sachs.

Entgegen der üblichen Praxis, solche Sicherungsgüter schnell zu veräußern, entschied sich die Bank unter Führung des damaligen CEOs Hank Paulson für einen anderen Weg. 2004 übertrug Goldman Sachs das gesamte Gebiet an die Wildlife Conservation Society (WCS) und stellte zusätzlich 12 Millionen US-Dollar für dessen Erhalt bereit.

Karukinka: Ein ökologisches Juwel

Das unter dem Namen Karukinka („unser Land“ in der Sprache der Selk’nam) bekannte Schutzgebiet umfasst heute über 735.000 Acres. Es beherbergt die südlichsten Altbaumbestände der Welt, ausgedehnte Torfmoore und die größte Guanaco-Population Chiles. Die intakten Wälder und Moore binden schätzungsweise 300 Millionen Tonnen Kohlenstoff pro Jahr.

Die WCS betreibt das Gebiet als Forschungsstation mit kontrolliertem Zugang für sanften Tourismus. Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Erforschung eingeschleppter Biber, die die lokalen Wälder bedrohen. Die Entscheidung von Goldman Sachs, das Land nicht zu verkaufen, sondern zu erhalten, führte zur Entstehung eines der größten privaten Naturschutzgebiete Chiles.