Black Arrow: Der letzte britische Satellitenstart vor Programmende

Am 28. Oktober 1971 erreichte das britische Raumfahrtprogramm einen Meilenstein, der gleichzeitig sein Ende markierte. Die Black Arrow-Rakete brachte den Satelliten Prospero von Woomera, Australien aus in die Umlaufbahn. Drei Monate zuvor hatte das Parlament bereits beschlossen, das Programm nach diesem Flug einzustellen.

Parlamentsbeschluss beendet Raketenprogramm

Am 29. Juli 1971 gab Frederick Corfield in einer schriftlichen parlamentarischen Antwort bekannt, dass das Black Arrow-Programm nach dem bevorstehenden Start eingestellt werde. Als Begründung nannte er die begrenzte Kapazität der nationalen Trägerrakete im Verhältnis zu den benötigten Ressourcen. Die Satellitentechnologie-Forschung sollte jedoch fortgesetzt werden, wie der für 1974 geplante Start des X4-Satellits mit einer NASA-Scout-Rakete zeigte.

Die Entscheidung ermöglichte den Abschluss der bereits geplanten Prospero-Mission, eröffnete aber keine Perspektive für weitere Starts. Die nächste Rakete, R4, wurde nie eingesetzt und befindet sich heute im Science Museum in London.

Technische Leistung unter australischem Himmel

Die Entwicklung der Black Arrow begann 1964 unter der Leitung des Royal Aircraft Establishment. Die dreistufige Rakete mit einer Höhe von etwa 13 Metern nutzte im ersten Stadium ein achtkammeriges Triebwerk mit Hochtestperoxid und Kerosin. Der dritte Stufe bestand aus einem Feststoffmotor.

Der Start erfolgte nicht von britischem Territorium, sondern von der Woomera-Raketenbasis in der australischen Wüste. Diese internationale Zusammenarbeit war typisch für viele Raumfahrtprogramme der Zeit. Die britische Raumfahrtagentur betont in ihrer Retrospektive die komplexe Infrastruktur, die für Entwicklung, Tests und Start notwendig war.

Von vier Black Arrow-Starts waren zwei erfolgreich, darunter der Flug mit Prospero. Der Satellit trug auch die Bezeichnung X3 und war der einzige, der mit einer britischen Rakete in den Orbit gebracht wurde.

Vom Raketenprogramm zum Museumsstück

Die nicht eingesetzte R4-Rakete wurde zum Ausstellungsstück. Laut Aufzeichnungen des Science Museum war die Rakete weitgehend fertiggestellt, benötigte aber noch geringfügige Montagearbeiten. Der dafür vorgesehene Satellit Miranda erreichte 1974 mit einer amerikanischen Scout-Rakete den Orbit.

Die Konservierung der R4 erforderte organisatorische und finanzielle Entscheidungen. Etwa 5.000 Pfund wurden für die Vorbereitung des Transports von der Isle of Wight nach London aufgewendet. Damit blieb ein konkretes Zeugnis des Programms erhalten, das sonst nur in Dokumentationen weiterbestanden hätte.

Die Geschichte der Black Arrow zeigt die Trennung zwischen technischem Erfolg und politischer Entscheidung. Während die Rakete ihre Funktionsfähigkeit bewies, führten Ressourcenfragen zur Einstellung des Programms. Prospero im Orbit und R4 im Museum markieren diese unterschiedlichen Aspekte der britischen Raumfahrtgeschichte.

  • Britische Parlamentsunterlagen vom 29. Juli 1971
  • Historische Aufzeichnungen der ESA
  • Dokumentation der UK Space Agency
  • Science Museum Group Journal