Seit November 2000 ist die Internationale Raumstation (ISS) durchgehend bemannt. Mehr als 280 Astronauten und Kosmonauten aus über 20 Ländern haben die Station besucht. Ein Problem, das alle Bewohner der ISS teilen, ist die Frage nach der Reinigung ihrer Kleidung. Auf der ISS gibt es keine Waschmaschine, und die Lösung für dieses Problem ist ungewöhnlich.
Warum es keine Waschmaschine gibt
Der Hauptgrund für das Fehlen einer Waschmaschine auf der ISS ist der Wasserverbrauch. Wasser ist auf der Station eine kostbare Ressource. Es wird entweder von der Erde transportiert, was Kosten von etwa 10.000 US-Dollar pro Kilogramm verursacht, oder durch ein Recyclingsystem aus Urin, Schweiß und Atemluft der Besatzung gewonnen. Das Recyclingsystem der ISS verwertet etwa 90 Prozent des intern produzierten Wassers, was effizienter ist als vergleichbare Systeme auf der Erde. Dennoch würde der Betrieb einer Waschmaschine den Wasserverbrauch der Station erheblich erhöhen und die Wirtschaftlichkeit der Versorgung beeinträchtigen.
Robert Trevino, ein leitender Ingenieur der NASA, erklärte in einem Interview aus dem Jahr 2017, dass die Kosten für den Transport von frischer Kleidung geringer sind als der Betrieb einer Waschmaschine. Daher entschied sich die NASA dafür, schmutzige Kleidung durch neue zu ersetzen, die mit Versorgungsmissionen zur ISS gebracht werden.
Wie Astronauten mit ihrer Kleidung umgehen
Astronauten tragen ihre Kleidung so lange, wie es hygienisch vertretbar ist. Sportkleidung wird etwa zwei Wochen lang verwendet, da der tägliche Sport in der Schwerelosigkeit zu starkem Schwitzen führt und die antibakterielle Beschichtung des Materials innerhalb dieser Zeit ihre Wirkung verliert. Alltagskleidung, wie Baumwollpolos und Cargoshorts, wird zwischen einem und drei Monaten getragen. Die Häufigkeit des Unterwäschewechsels liegt im Ermessen der Besatzungsmitglieder. Der ehemalige Astronaut Don Pettit war bekannt dafür, dieselbe Hose über Monate hinweg zu tragen, was unter seinen Kollegen für Amüsement sorgte.
Die Kleidung wird von Lockheed Martin, einem NASA-Auftragnehmer, von gewöhnlichen kommerziellen Anbietern wie Lands’ End, Cabela’s und Blackhawk bezogen. Es handelt sich dabei um Standardtextilien ohne besondere technologische Eigenschaften.
Das Ende der Kleidung
Wenn ein Kleidungsstück nicht mehr tragbar ist, wird es zusammen mit anderem Müll wie Verpackungen, Lebensmittelresten und abgelaufener Ausrüstung entsorgt. Der Abfall wird in Säcke gepackt, versiegelt und in einem der angedockten Versorgungsschiffe gelagert. Russlands Progress-Kapsel und Northrop Grummans Cygnus-Schiff sind Einwegfahrzeuge, die nach der Entladung mit Müll gefüllt und gezielt über dem Pazifik zum Verglühen gebracht werden. SpaceXs Dragon-Kapsel hingegen ist wiederverwendbar und kehrt mit Fallschirmen zur Erde zurück.
Der Wiedereintritt einer voll beladenen Müllkapsel in die Atmosphäre ist ein spektakuläres Ereignis. Am 29. November 2023 fotografierte die NASA-Astronautin Jasmin Moghbeli den Wiedereintritt der Progress MS-23-Kapsel von der ISS aus. Ihre Aufnahmen zeigen eine helle Feuerkugel, die sich in mehrere Fragmente auflöst, bevor sie vollständig verglüht.
- Quelle: VICE Interview mit Robert Trevino (2017)
- Quelle: Space.com Bericht von Brett Tingley (November 2023)