Bild: KI-generiert
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Meudon-Observatorium: Über ein Jahrhundert Sonnenbeobachtung

Seit 1908 dokumentiert das Observatorium in Meudon bei Paris nahezu täglich die Sonne. Mit Ausnahme der Zeit des Ersten Weltkriegs wurden kontinuierlich Aufnahmen gemacht, die mittlerweile ein Archiv von über 120.000 Bildern umfassen. Ein Mitarbeiter leitete über zwei Jahrzehnte hinweg die Digitalisierung der Glasplatten und Filme, um sie der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Die Anfänge der Sonnenbeobachtung

Im Jahr 1908 begann das Observatorium in Meudon mit der systematischen Beobachtung der Sonne. Zunächst wurden Aufnahmen im Calciumlicht gemacht, ab 1909 folgten Aufnahmen im Wasserstofflicht. Diese Methode wurde über mehr als ein Jahrhundert hinweg beibehalten, mit nur einer längeren Unterbrechung während des Ersten Weltkriegs. Das Instrument, das für diese Aufnahmen verwendet wird, ist der Meudon-Spektroheliograf, entwickelt von Henri Deslandres und Lucien d’Azambuja.

Die Aufnahmen entstehen nicht wie gewöhnliche Fotos, sondern durch das Scannen der Sonnenscheibe durch einen schmalen Spalt. Dabei wird jeweils nur eine Lichtfarbe erfasst, und innerhalb von etwa 30 Sekunden entsteht ein vollständiges Bild. Calcium- und Wasserstofflicht zeigen unterschiedliche Schichten der Sonnenatmosphäre, was die Sonne je nach Aufnahmewellenlänge unterschiedlich erscheinen lässt.

Von Glasplatten zur digitalen Archivierung

Die Technologie hinter den Aufnahmen hat sich im Laufe der Zeit stark verändert. Anfangs wurden Glasplatten verwendet, später Filme, und seit 2002 kommen digitale Kameras zum Einsatz. Die alten Glasplatten und Filme wurden jedoch nicht entsorgt, sondern digitalisiert. Isabelle Bualé, die seit 1985 am Observatorium arbeitet, leitete dieses Projekt. Über 80.000 Glasplatten und 130 Kilometer 35-mm-Film wurden in mehr als 20 Jahren digitalisiert.

Die Digitalisierung ist ein langwieriger Prozess. Eine zweite, hochauflösendere Scanserie wurde begonnen, die voraussichtlich bis 2026 abgeschlossen sein wird. Die digitalisierten Bilder sind in der öffentlichen Datenbank BASS2000 des Observatoriums verfügbar, wo sie Monat für Monat abgerufen werden können.

Die Bedeutung der Langzeitbeobachtung

Die kontinuierliche Beobachtung der Sonne über mehr als ein Jahrhundert hat einen hohen wissenschaftlichen Wert. Satelliten messen die Sonne erst seit wenigen Jahrzehnten direkt. Um das Verhalten der Sonne in der Vergangenheit zu untersuchen, sind Langzeitdaten wie die aus Meudon unerlässlich. Forscher haben die Calciumlicht-Aufnahmen genutzt, um die Magnetfelder der Sonne und ihre Energieabgabe in der Vergangenheit zu rekonstruieren. Diese Daten helfen auch dabei, den Einfluss der Sonne auf das Erdklima vor der Satellitenära zu untersuchen.

Die Meudon-Serie gilt als eine der längsten verfügbaren Aufzeichnungen weltweit und deckt zehn Sonnenzyklen ab. Sie ist besonders wertvoll für die Rekonstruktion der solaren Variabilität und die Untersuchung seltener Ereignisse.

  • Quelle: Eigene Recherche basierend auf Informationen des Meudon-Observatoriums