Im Jahr 2008 transportierte ein Team 1.478 Magnetbänder und vier veraltete Bandlaufwerke zum Ames Research Center der NASA. Ziel war es, frühe detaillierte Aufnahmen des Mondes wiederherzustellen. Der ungewöhnliche Ort für dieses Projekt war ein ehemaliges McDonald’s-Restaurant, das den Spitznamen „McMoon’s“ erhielt. Das Lunar Orbiter Image Recovery Project (LOIRP) hatte nicht zum Ziel, alte Bilder durch Hinzufügen neuer Details zu verbessern. Stattdessen wurden die ursprünglichen Signale, die mehr Informationen enthielten als viele bekannte fotografische Reproduktionen, mit restaurierter Technik und moderner digitaler Verarbeitung wiederhergestellt.
Die Bedeutung der Lunar Orbiter-Missionen
Die NASA schickte zwischen 1966 und 1967 fünf Lunar Orbiter-Raumsonden zum Mond. Diese Missionen dienten der Vorbereitung der Apollo-Landungen. Die ersten drei Orbiter konzentrierten sich auf potenzielle Landeplätze, während spätere Missionen die gesamte Oberfläche des Mondes erfassten. Die Raumsonden verwendeten fotografischen Film, der an Bord entwickelt und zur Erde übertragen wurde. Die Signale wurden dann in Fotografien umgewandelt. Die Originalfilme blieben im All, sodass die archivierten Magnetbänder die einzige Möglichkeit boten, die Daten erneut auszulesen. Insgesamt wurden 3.062 Bilder erstellt, die als Grundlage für Mondkarten dienten und auch frühe Ansichten der Erde aus der Mondumlaufbahn zeigten.
Die Rettung der historischen Daten
Die Wiederherstellung der Daten war nur möglich, weil Nancy Evans, eine ehemalige JPL-Forscherin, die originalen Magnetbänder und die dazu passenden Laufwerke bewahrt hatte. Ohne diese Geräte wären die Informationen effektiv unzugänglich geblieben. Dennis Wingo, einer der Projektleiter, kontaktierte Evans 2007 nach einem Hinweis auf ihre vier FR-900-Laufwerke. Mit Unterstützung von Keith Cowing wurden die Bänder und Geräte zum Ames Research Center transportiert. Die Ladung umfasste 1.478 Bänder mit einem Gesamtgewicht von über 12.700 Kilogramm sowie vier Laufwerke, die jeweils etwa 450 Kilogramm wogen.
Das Team nutzte das ehemalige McDonald’s-Restaurant als Labor, da es ausreichend Platz bot und bereits über eine Küchenlüftung verfügte, die für die Entfernung von Lötgerüchen nützlich war. Die Aufgabe bestand darin, die alten Laufwerke zu reparieren und festzustellen, ob die Bänder noch nutzbare Informationen enthielten. Die Kombination aus restaurierter Technik der 1960er Jahre und moderner digitaler Verarbeitung ermöglichte es, die Daten wiederherzustellen.
Erfolgreiche Wiederherstellung und wissenschaftlicher Nutzen
Am 13. November 2008 präsentierte das Team eine restaurierte Aufnahme der Erde über dem Mondhorizont, die Lunar Orbiter 1 am 23. August 1966 aufgenommen hatte. Diese frühe „Earthrise“-Aufnahme zeigte, dass die archivierten Signale erfolgreich verarbeitet werden konnten. Die Wiederherstellung enthüllte Details, die in früheren Reproduktionen nicht sichtbar waren, ohne jedoch neue Informationen hinzuzufügen. Die verbesserten Bilder wurden zwischen 2008 und 2014 digitalisiert und über das Planetary Data System der NASA zugänglich gemacht.
Die historischen Aufnahmen bieten eine Basis für den Vergleich mit modernen Beobachtungen. So wurden die Lunar Orbiter-Bilder beispielsweise mit den Daten des Lunar Reconnaissance Orbiter verglichen, um neue Kraterformationen zu untersuchen. Das LOIRP-Projekt hat somit nicht nur historische Aufnahmen gerettet, sondern auch deren wissenschaftlichen Wert für zukünftige Forschungen gesichert.
- Quelle: NASA Research Park
- Quelle: NASA History Newsletter