Forscher haben Hinweise darauf gefunden, dass das menschliche Auge auf einen gemeinsamen Vorfahren zurückgeht, der vor etwa 600 Millionen Jahren lebte. Dieser Organismus besaß vermutlich nur ein einzelnes, nach oben gerichtetes Auge. Reste dieser Struktur könnten sich bis heute in Form der Zirbeldrüse im menschlichen Gehirn erhalten haben.
Von einfachen Lichtsensoren zu komplexen Sehorganen
Eine Studie der Universitäten Sussex und Lund rekonstruiert die Entwicklung des Auges bei Wirbeltieren. Demnach stammen alle heute lebenden Arten mit Rückgrat von einem kleinen, wurmartigen Meeresbewohner ab. Dieser filtrierte Plankton aus dem Wasser und bewegte sich kaum. Seitlich angeordnete Augen waren unter diesen Bedingungen unnötig, weshalb sie zurückgebildet wurden.
Übrig blieb ein Streifen lichtempfindlicher Zellen entlang der Kopfmitte, der sich zu einem einfachen Einzelauge entwickelte. Als sich die Nachfahren dieses Organismus wieder aktiver bewegten, bildeten sich aus dieser Struktur die Grundlagen für die heutigen paarigen Augen.
Anatomische Spuren und funktionelle Überreste
Bei einigen heutigen Tierarten wie Tuatara, bestimmten Echsen und Amphibien ist das sogenannte Parietalauge noch voll funktionsfähig. Es sitzt unter einer durchsichtigen Schuppe auf dem Kopf und kann Helligkeitsunterschiede wahrnehmen, obwohl es keine Bilder erzeugt. Diese Information hilft den Tieren bei der Regulation von Körpertemperatur und Fortpflanzungszyklen.
Fossilfunde zeigen, dass viele frühe Wirbeltiere eine Öffnung im Schädeldach für den Nerv dieses Auges besaßen. Untersuchungen an über 600 Fossilien aus Südafrika belegen, dass diese Öffnung bei Säugetiervorfahren vor etwa 246 Millionen Jahren verschwand. Wissenschaftler vermuten, dass die Entwicklung der Warmblütigkeit diese Struktur überflüssig machte.
Beim Menschen übernimmt die Zirbeldrüse, ein Relikt dieses dritten Auges, noch immer lichtabhängige Funktionen. Allerdings erhält sie ihre Informationen nicht mehr direkt, sondern über einen komplexen neuronalen Weg von den Augen zum Gehirn. Die Drüse produziert das Hormon Melatonin und steuert damit den Tag-Nacht-Rhythmus.
- Quelle: Space Daily