Ozeane erreichen Rekordtemperaturen durch Klimawandel und El Niño

Die Weltmeere haben die höchsten Temperaturen seit Beginn der Aufzeichnungen erreicht. Nach Angaben des europäischen Copernicus-Klimadienstes lag die durchschnittliche globale Meeresoberflächentemperatur am 23. und 24. August bei 21,1 Grad Celsius. Dieser Wert übertrifft den bisherigen Rekord vom März 2024 um einen geringen, aber signifikanten Betrag.

Ungewöhnlicher Zeitpunkt für Temperaturrekord

Besondere Aufmerksamkeit erregt der Zeitpunkt der Messung. Normalerweise erreichen die Ozeane ihre höchsten Temperaturen im März oder April, gegen Ende des Sommers auf der Südhalbkugel. Der neue Rekord wurde jedoch im August gemessen, wenn die Temperaturen üblicherweise deutlich niedriger liegen. Samantha Burgess von Copernicus wies darauf hin, dass die Erwärmung voraussichtlich noch weiter zunehmen wird, da der saisonale Höhepunkt erst in mehreren Monaten erwartet wird.

Die Daten von Copernicus basieren auf Satellitenbeobachtungen, Messungen von Bojen und Schiffen sowie Modellanalysen. Die täglichen globalen Durchschnittswerte werden kontinuierlich veröffentlicht, wodurch die Entwicklung nahezu in Echtzeit verfolgt werden kann.

Kombination langfristiger und zyklischer Erwärmung

Die aktuellen Rekordtemperaturen resultieren aus zwei gleichzeitig wirkenden Faktoren. Langfristig hat die Verbrennung fossiler Brennstoffe die Ozeantemperaturen um 0,8 Grad Celsius erhöht. Parallel dazu entwickelt sich ein El Niño-Ereignis, das voraussichtlich zwischen November und Januar seinen Höhepunkt erreichen wird. El Niño ist ein natürliches Klimaphänomen, das durch veränderte Windverhältnisse im tropischen Pazifik zu einer Erwärmung der Meeresoberfläche führt.

Die Kombination dieser beiden Effekte führt zu den beobachteten Rekordtemperaturen. Während der langfristige Klimawandel einen stetigen Anstieg bewirkt, verursacht El Niño zusätzliche, vorübergehende Erwärmung.

Folgen für marine Ökosysteme und Küstenregionen

Die steigenden Wassertemperaturen haben vielfältige Auswirkungen. Wärmeres Wasser enthält weniger Sauerstoff und wird saurer, was marine Arten beeinträchtigt, die bereits an ihrer Temperaturgrenze leben. Zudem führt wärmeres Oberflächenwasser zu stärkeren Niederschlägen und höheren Sturmfluten.

Besonders betroffen sind Fischereien wie die peruanische Anchovis-Fischerei, die während El Niño-Ereignissen typischerweise zusammenbricht. Auch Korallenriffe, die bereits stark reduziert sind, stehen unter zusätzlichem Stress durch die erhöhten Temperaturen.

Die Wissenschaftler betonen, dass die aktuellen Daten Risiken aufzeigen, aber keine endgültigen Aussagen über die weitere Entwicklung erlauben. Die kommenden Monate werden zeigen, ob der August-Rekord der Höhepunkt war oder nur der erste einer Reihe weiterer Rekorde.

  • Quelle: Associated Press
  • Daten: Copernicus Climate Service
  • Videoanalyse: https://www.youtube.com/watch?v=DhhgaosYkUk