Neue Modelle deuten darauf hin, dass radioaktive Isotope im Meeresboden von Europa chemische Energie für mögliches mikrobielles Leben erzeugen könnten. Diese Erkenntnisse wurden im Dezember 2025 vorgestellt und stehen im Kontrast zu einer Studie vom Januar 2026, die aktive Verwerfungen und hydrothermale Quellen auf dem Meeresboden des Jupitermonds als unwahrscheinlich einstuft.
Europas Ozean: Neue Perspektiven auf die Lebensbedingungen
Bisherige Vorstellungen von Europas Ozean gingen von einem aktiven Meeresboden mit hydrothermalen Quellen aus, ähnlich denen auf der Erde. Eine Studie vom Januar 2026 stellt dieses Bild jedoch infrage. Die Untersuchung von Paul Byrne und Kollegen, veröffentlicht in Nature Communications, zeigt, dass die Gesteine unter Europas Ozean wahrscheinlich zu wenig Spannung aufweisen, um aktive Verwerfungen oder hydrothermale Aktivität zu ermöglichen. Die Forscher untersuchten verschiedene Mechanismen, darunter die Gravitationskräfte Jupiters, die Abkühlung des Mondes und Mantelkonvektion, doch keiner erzeugte ausreichend Spannung für aktive Verwerfungen.
Dies bedeutet jedoch nicht, dass Europas Ozean steril ist. Ältere Aktivitäten könnten Wege für langsamere, kühlere Flüssigkeitsbewegungen hinterlassen haben. Zudem wurde in einer früheren Studie vom Dezember 2025 ein alternatives Modell vorgestellt, das eine andere Energiequelle für mögliches Leben vorschlägt: radioaktive Isotope.
Radioaktive Isotope als Energiequelle
Ngoc Tuan Truong von der NASA und der University of Maryland, Baltimore County präsentierte auf dem Treffen der American Geophysical Union im Dezember 2025 ein Modell, das die Rolle radioaktiver Isotope wie Kalium-40, Uran-235 und Uran-238 untersucht. Diese Isotope zerfallen und setzen dabei Strahlung frei, die Wassermoleküle spalten kann. Dieser Prozess, bekannt als Radiolyse, erzeugt reaktive Fragmente wie Wasserstoffatome, Hydroxylradikale und hydratisierte Elektronen. Daraus können langlebigere Moleküle wie Wasserstoff und Wasserstoffperoxid entstehen.
Diese Moleküle bieten eine chemische Ungleichgewicht, das mikrobielle Lebensformen nutzen könnten, um Energie für ihren Stoffwechsel zu gewinnen. Im Gegensatz zu hydrothermalen Systemen, die auf Wärme, Durchlässigkeit und Zirkulation angewiesen sind, hängt dieser Mechanismus von der natürlichen Zerfallsrate der Isotope ab. Die Verfügbarkeit der Energiequelle nimmt zwar mit der Zeit ab, aber selbst geringe Konzentrationen könnten ausreichen, um oxidierende und reduzierende Chemikalien zu erzeugen.
Die Studie betont jedoch, dass es sich um ein Modell handelt und keine direkten Beweise für Leben oder die tatsächliche Anwesenheit der notwendigen Chemikalien in Europas Ozean liefert. Die Ergebnisse zeigen lediglich, dass eine solche Energiequelle theoretisch möglich ist.
- Nature Communications: Studie zu Europas Meeresboden, veröffentlicht am 6. Januar 2026
- American Geophysical Union Meeting: Präsentation von Ngoc Tuan Truong et al., Dezember 2025