Unter der Eiskruste des Jupitermonds Europa verbirgt sich vermutlich ein globaler Salzwasserozean mit mehr als der doppelten Wassermenge aller irdischen Ozeane. Neue Modellrechnungen zeigen jedoch, dass das durch die Meeresströmungen erzeugte Magnetfeld zu schwach für eine direkte Messung durch Raumsonden sein könnte.
Modellierung eines aktiven Ozeans
Europa, mit einem Durchmesser von 3.120 Kilometern, besitzt eine äußere Hülle aus Wassereis. Darunter wird ein flüssiger Ozean vermutet, der nach NASA-Schätzungen 60 bis 150 Kilometer tief sein könnte. Dieser Ozean steht vermutlich in Kontakt mit einem felsigen Inneren und wird durch verschiedene Prozesse in Bewegung gehalten.
Computermodelle wie eine Studie aus dem Jahr 2021 zeigen, dass die Kombination aus Wärmezufuhr vom Mondinneren, Gezeitenkräften Jupiters und Europas Rotation zu großräumigen Strömungen führen müsste. Diese könnten Wirbel, Konvektionszellen und ost-west-gerichtete Strömungen umfassen. Die Bewegungen sind jedoch bisher nicht direkt beobachtet worden.
Magnetfeld zu schwach für Messinstrumente
Salzwasser leitet Elektrizität. Theoretisch sollte seine Bewegung durch Jupiters Magnetfeld ein sekundäres Magnetfeld erzeugen. Eine Studie aus dem Jahr 2025 berechnete jedoch, dass dieses Feld an Europas Oberfläche weniger als ein Nanotesla betragen würde. Damit läge es unter der Nachweisgrenze der Instrumente an Bord der geplanten Missionen Europa Clipper und JUICE.
Wichtig ist die Unterscheidung zwischen zwei magnetischen Effekten: Galileo-Messungen hatten bereits Induktionseffekte durch Jupiters veränderliches Magnetfeld nachgewiesen, was auf einen leitfähigen Ozean hindeutet. Der nun untersuchte Effekt durch die Wasserbewegung selbst wäre jedoch deutlich schwächer.
Die Forschungsergebnisse bedeuten nicht, dass Europas Ozean nicht existiert. Sie zeigen lediglich, dass die direkte Messung der Ozeanströmungen über ihr Magnetfeld mit aktueller Technologie nicht möglich sein wird. Weitere Untersuchungen der Eiskruste und indirekte Methoden bleiben daher wichtig, um Europas unterirdisches Meer zu erforschen.
- Quelle: Studie zu Europas Magnetfeld (2025)
- Quelle: Nature Communications Modellierung (2021)
- Quelle: NASA-Daten zu Europas Ozean