Der Jupitermond Ganymed verfügt möglicherweise über mehr flüssiges Wasser als alle Ozeane der Erde zusammen. Diese gewaltige Menge ist jedoch unter einer etwa 150 Kilometer dicken Eisschicht eingeschlossen. Bisher ist unklar, ob jemals Wasser aus diesem Reservoir an die Oberfläche gelangt ist.
Indirekte Nachweise eines unterirdischen Ozeans
Messungen der Raumsonde Galileo und Beobachtungen des Hubble-Weltraumteleskops lieferten die ersten Hinweise auf einen subglazialen Ozean. Galileo detektierte 2002 ein sekundäres Magnetfeld, das durch elektrische Ströme in einem salzhaltigen Wasservorkommen erklärt werden kann. Hubble beobachtete 2015, dass die Polarlichter Ganymeds sich weniger bewegten als erwartet – ein Effekt, der durch einen leitfähigen Ozean unter der Eiskruste verursacht werden könnte.
Die NASA schätzt die Tiefe dieses Ozeans auf etwa 100 Kilometer, bedeckt von einer 150 Kilometer dicken Eisschicht. Diese Angaben basieren auf Modellrechnungen, nicht auf direkten Messungen. Die tatsächliche Dicke der Eisschicht variiert wahrscheinlich zwischen 80 und 150 Kilometern.
Strukturelle Besonderheiten und offene Fragen
Ganymed ist mit einem Durchmesser von 2.631 Kilometern der größte Mond im Sonnensystem und übertrifft sogar den Planeten Merkur an Größe. Seine geringere Dichte erklärt sich durch den hohen Anteil an Wassereis. Der Mond besitzt einen eisenreichen Kern, einen felsigen Mantel und ein eigenes Magnetfeld – Merkmale, die ihn planetenähnlich erscheinen lassen.
Die Oberfläche Ganymeds zeigt keine direkten Anzeichen für flüssiges Wasser. Im Gegensatz zum Saturnmond Enceladus, der durch Geysire aktiv Wasser ins All ausstößt, bleibt Ganymeds Ozean vollständig eingeschlossen. Juno-Messungen aus dem Jahr 2021 bestätigten die Existenz einer dicken, leitfähigen Eisschicht, konnten aber keine klare Grenze zum darunterliegenden Ozean bestimmen.
Forscher diskutieren verschiedene Modelle der inneren Struktur. Einige gehen von einer einfachen Schichtung aus Eis und Wasser aus, andere von komplexeren „Club-Sandwich“-Strukturen mit mehreren Wechseln von festen und flüssigen Schichten. Die genaue Zusammensetzung hängt von Faktoren wie Druck, Temperatur und Salzgehalt ab, die bisher nur modelliert werden können.
- Quelle: SpaceDaily – Analyse magnetischer Messungen
- Quelle: NASA – Hubble-Beobachtungen der Polarlichter
- Quelle: Juno-Mission – Mikrowellenradiometer-Messungen