Eine deklassifizierte Studie der US-Armee aus dem Jahr 1959 enthüllt Pläne für eine permanente Mondstation. Das als „Project Horizon“ bekannte Vorhaben sah die Landung von zwei Astronauten im April 1965 und den Aufbau eines zwölfköpfigen Außenpostens bis November 1966 vor.
Geheime Planungen unter Budgetbeschränkungen
Die Studie wurde auf Anweisung von Lieutenant General Arthur G. Trudeau, dem Chef für Forschung und Entwicklung der US-Armee, initiiert. In einem internen Schreiben vom 20. März 1959 betonte Trudeau die strategische Bedeutung des Projekts, verwies jedoch gleichzeitig auf knappe Budgets. Die Finanzierung sollte durch Umschichtung bestehender Mittel erfolgen.
Ein interdisziplinäres Team unter Leitung des Army Ordnance Missile Command erarbeitete den Plan. Major General John B. Medaris beschrieb die Arbeitsmethode pragmatisch: „Es war ein Teamprojekt. Wir haben jeden Spezialisten genommen, den wir in der Armee bekommen konnten.“
Technische Details der geplanten Mondstation
Die Station sollte aus zylindrischen Metallmodulen mit 3 Metern Durchmesser und 6 Metern Länge bestehen. Diese Module waren für die Vergrabung unter Mondmaterial vorgesehen, was Schutz vor Strahlung, Meteoriten und Temperaturschwankungen bieten sollte. Die doppelwandige Bauweise mit Vakuumisolierung nutzte dabei direkt das lunare Vakuum.
Die Energieversorgung sollte durch vier im Boden versenkte Kernreaktoren erfolgen. Interessanterweise rechneten die Planer damit, dass die Abwärme der Beleuchtungssysteme ausreichen würde, um die Module auf Raumtemperatur zu halten – trotz Außentemperaturen von -40°F (-40°C).
Der Zeitplan sah mehrere Etappen vor:
- Beginn der Materiallieferungen: Januar 1965
- Erste bemannte Landung mit zwei Personen: April 1965
- Ankunft einer neunköpfigen Baucrew: Juli 1965
- Vollbetrieb mit zwölf Personen: November 1966
Die Besatzung sollte maximal ein Jahr auf dem Mond bleiben. Für Außeneinsätze waren spezielle Raumanzüge mit metallischer Außenschicht geplant, da man Druckbehälter aus Textilien für unzuverlässig hielt. Nahrungsmittelversorgung sollte zunächst durch vorgekochte Mahlzeiten erfolgen, mit späterem Anbau von Salaten in Hydrokulturen.
Logistische Herausforderungen und Standortfragen
Die Studie untersuchte die Eignung der damaligen US-Raketenstartplätze Atlantic Missile Range und Pacific Missile Range, verwarf beide jedoch als ungeeignet. Stattdessen setzten die Planer auf einen neuen Startkomplex mit acht Startrampen in Äquatornähe – konkret in Brasilien. Die Gründe für diese Wahl werden im öffentlich zugänglichen Teil der Studie nicht detailliert aufgeführt.
Die Gesamtkosten des Projekts wurden auf sechs Milliarden Dollar geschätzt. Bemerkenswert ist der pragmatische Ansatz der Planer, die „aufgeklärten Konservatismus“ als Leitprinzip bezeichneten: Technologien sollten nur so weit fortgeschritten sein wie nötig, da „ein unsophistizierter Erfolg weit wichtiger ist als eine Reihe fortgeschrittener, hochsophistizierter Fehlschläge, die ‚fast funktioniert hätten’“.
- Quelle: Declassified US Army study „Project Horizon“, Volume I (1959)
- Quelle: US Army historical records