Früher war die Milchstraße unter klarem Nachthimmel für jeden sichtbar. Seit der Einführung elektrischer Beleuchtung vor etwas mehr als einem Jahrhundert hat sich dies grundlegend geändert. Künstliches Licht verhindert heute für über ein Drittel der Weltbevölkerung den Blick auf unsere Galaxie.
Die Milchstraße im Zeitalter der Lichtverschmutzung
Einem Bericht aus dem Jahr 2016 zufolge ist die Milchstraße für 60% der Europäer und fast 80% der Nordamerikaner nicht mehr sichtbar. Diese Zahlen basieren auf Satellitendaten von 2014 und Modellrechnungen, die über 35.000 Bodenbeobachtungen einbezogen. Als lichtverschmutzt galten Himmelsregionen, bei denen die künstliche Helligkeit im Zenit 14 Mikrocandela pro Quadratmeter über dem natürlichen Hintergrund lag.
Die Milchstraße erscheint als blasses Band am Nachthimmel, das durch helle Knoten und dunkle Staubbänder strukturiert ist. Ihre Sichtbarkeit hängt von geografischer Breite, Jahreszeit und Beobachtungszeit ab. Selbst unter natürlichen Bedingungen können Wolken, Dunst oder Mondlicht die Sicht beeinträchtigen.
Wie künstliches Licht den Nachthimmel verändert
Skyglow entsteht, wenn künstliches Licht von Molekülen und Aerosolen in der Atmosphäre gestreut wird. Diese Lichtglocke über Siedlungsgebieten hebt den Hintergrund des Nachthimmels an und reduziert den Kontrast der Milchstraße. Bereits geringe Helligkeitssteigerungen reichen aus, um das galaktische Band unsichtbar zu machen.
Die Lichtverschmutzung unterscheidet sich von Blendung oder Streulicht. Sie betrifft große Himmelsareale und ist oft weit über die eigentlichen Lichtquellen hinaus wahrnehmbar. Der natürliche Nachthimmel enthält zwar ebenfalls Lichtquellen wie Airglow oder Zodiakallicht, doch die künstliche Aufhellung stellt eine zusätzliche Komponente dar.
Die elektrische Beleuchtung ermöglichte innerhalb von etwa 140 Jahren eine grundlegende Veränderung der nächtlichen Umwelt. Während traditionelle Lichtquellen wie Feuer oder Gaslampen begrenzt waren, führte die flächendeckende elektrische Beleuchtung zu einer deutlichen Aufhellung des Nachthimmels.
- Quelle: World Atlas of Artificial Night Sky Brightness (2016)
- Quelle: Suomi National Polar-orbiting Partnership Satellitendaten
- Quelle: Library of Congress zur Geschichte der elektrischen Beleuchtung