Die Analyse fossiler Daten zeigt, dass Aussterbeereignisse in der Erdgeschichte ungleichmäßig verteilt sind. Während kleinere Ereignisse mit etwa 10% Artenverlust durchschnittlich alle eine Million Jahre auftreten, kommen große Massenaussterben mit rund 65% Verlust nur etwa alle 100 Millionen Jahre vor. Diese Zahlen stellen jedoch keine regelmäßige Abfolge dar.
Die Kill-Kurve nach David Raup
Paläontologe David Raup entwickelte 1991 eine sogenannte „Kill-Kurve“ basierend auf stratigraphischen Daten von 17.621 marinen Gattungen über 600 Millionen Jahre. Seine Analyse ergab, dass das Aussterberisiko für Arten stark variiert. Die meisten Zeiträume zeigen geringe Verluste, während seltene Krisenphasen viele Arten gleichzeitig betreffen. Die bekannten „Big Five“-Massenaussterben bilden dabei die extremsten Ereignisse.
Raup nutzte Überlebensanalysen und Simulationen, um von Gattungs- auf Artenebene zu schließen. Die Ergebnisse zeigen eine kontinuierliche Verteilung der Ereignisgrößen, nicht eine klare Trennung zwischen „normalem“ Hintergrundaussterben und Massenaussterben. Die 10%, 30% und 65%-Marken sind willkürliche Punkte auf dieser Kurve.
Grenzen und Interpretation der Daten
Die fossilen Aufzeichnungen unterliegen methodischen Einschränkungen. Marine Organismen mit Hartteilen sind überrepräsentiert, während weichkörperige Arten, Landlebewesen und Lebensräume ohne Sedimentablagerungen seltener fossilieren. Auch die Datierungsgenauigkeit und regionale Erfassung variieren.
Neuere Datenbanken ermöglichen präzisere Analysen, bestätigen aber grundsätzlich Raups Beobachtung von unregelmäßig auftretenden Aussterbekrisen. Keine Studie konnte bisher überzeugende Beweise für regelmäßige Zyklen finden. Jede große Aussterbewelle hatte zudem unterschiedliche Ursachen – von Asteroideneinschlägen bis zu vulkanisch bedingten Klimaveränderungen.
Die Kill-Kurve zeigt vor allem, dass Aussterben gehäuft auftritt, nicht gleichmäßig verteilt ist. Umweltveränderungen können viele Arten gleichzeitig betreffen, während der Verlust ökologisch wichtiger Gruppen weitere Kettenreaktionen auslösen kann. Dennoch machen die „Big Five“ nur einen kleinen Teil aller Aussterbeereignisse aus.
- Raup, D.M. (1991). „A kill curve for Phanerozoic marine species“. Paleobiology
- Sepkoski, J.J. (1982). „A compendium of fossil marine families“. Milwaukee Public Museum Contributions in Biology and Geology
