Am 10. Januar 1946 gelang einem Team der US-Armee ein historisches Experiment: Sie sandten ein Radarsignal zum Mond und empfingen das Echo nach 2,5 Sekunden. Dies markiert den ersten nachgewiesenen Kontakt eines von Menschen erzeugten Signals mit einem anderen Himmelskörper – elf Jahre vor dem Start von Sputnik.
Militärische Forschung mit ziviler Bedeutung
Das Projekt Diana wurde unter Leitung von Lieutenant Colonel John DeWitt am Camp Evans Signal Laboratory in New Jersey durchgeführt. Ziel war die Klärung einer militärisch relevanten Frage: Können Funkwellen die Ionosphäre durchdringen? Diese Kenntnis war essenziell für zukünftige Raketenkommunikation und Weltraumüberwachung.
Das Team nutzte modifizierte Kriegsausrüstung, darum ein SCR-271-Radar mit zwei zusammengebauten Antennenrahmen. Die Konstruktion war auf horizontale Ausrichtung fixiert, sodass Experimente nur bei Mondauf- und -untergang möglich waren. Mathematiker Walter McAfee berechnete die Reflexionseigenschaften des Mondes – eine Leistung, die erst Jahrzehnte später gewürdigt wurde.
Technische Herausforderungen und Durchbruch
Die Distanz zum Mond erforderte besondere Maßnahmen:
- Verlängerung der Sendeimpulse auf 0,25 Sekunden
- Leistungssteigerung auf 3.000 Watt
- Extreme Frequenzfilterung im Empfänger
- Korrektur des Dopplereffekts durch Erdrotation
Nach wochenlangen Fehlschlägen gelang am 3. Januar 1946 der erste Nachweis. Am 10. Januar konnten die 2,5 Sekunden dauernden Echos wiederholt gemessen werden – exakt die Laufzeit, die für die Monddistanz bei Lichtgeschwindigkeit zu erwarten war.
Wissenschaftliche und technologische Folgen
Der Erfolg von Projekt Diana bewies:
- Die Ionosphäre ist für bestimmte Frequenzen durchlässig
- Radarerkundung anderer Himmelskörper ist möglich
Diese Erkenntnisse ermöglichten spätere Entwicklungen wie Satellitenkommunikation, Planetenradar und präzise Entfernungsmessungen im Sonnensystem. Bis heute nutzen Funkamateure die Mondreflexion für Earth-Moon-Earth-Verbindungen.
Während Sputnik 1957 als Startschuss der Raumfahrt gilt, markierte das Diana-Experiment den ersten Nachweis, dass menschliche Technik andere Welten erreichen kann – wenn auch nur als flüchtiges Radarecho.
- Quelle: Space Daily