Ein internationales Forschungsteam hat mithilfe eines Netzwerks aus 17 Raumsonden eine bisher unerkannte Gefahr bei koronalen Massenauswürfen (CMEs) der Sonne nachgewiesen. Die Studie unter Leitung von Adrienn Luspay-Kuti von der Johns Hopkins University zeigt, wie ein Teil einer solchen Eruption für erdgebundene Beobachtungssysteme unsichtbar bleiben kann.
Verborgene Gefahr für Erde und Raumfahrt
Koronale Massenauswürfe gehören zu den energiereichsten Phänomenen im Sonnensystem. Sie entstehen, wenn sich magnetische Feldlinien der Sonne verheddern und abrupt umschichten, wodurch Milliarden Tonnen magnetisiertes Plasma ins All geschleudert werden. Treffen diese Partikelwolken auf die Erdatmosphäre, können sie geomagnetische Stürme auslösen, die Satelliten, Stromnetze und Astronauten gefährden.
Bisherige Vorhersagemodelle basieren primär auf Beobachtungen von der Erde oder erdnahen Satelliten aus. Diese Methode geht von einer symmetrischen Ausbreitung der CMEs aus, was laut der neuen Studie in Science Advances zu gefährlichen Fehleinschätzungen führen kann.
Zufallsentdeckung durch Europa Clipper
Im Dezember 2024 registrierte die NASA-Raumsonde Europa Clipper auf ihrem Weg zum Jupiter ungewöhnliche Werte im solaren Wind. Die Analyse dieser Daten führte das Team auf einen CME zurück, der Tage zuvor von der Sonne ausgegangen war. Durch die ungewöhnlich hohe Dichte an Raumsonden im inneren Sonnensystem konnte die tatsächliche, asymmetrische Struktur der Eruption rekonstruiert werden.
Während der Hauptteil des CME von der Erde aus gesehen harmlos erschien, entdeckte die NASA-Sonde STEREO-A aus seitlicher Position eine separate, schneller wandernde Komponente, die direkt auf die Erde zusteuerte. Diese für erdgebundene Instrumente unsichtbare Struktur hätte Astronauten im All ohne Vorwarnung einer erhöhten Strahlenbelastung ausgesetzt.
Die Ergebnisse unterstreichen den Nutzen von Raumsonden auf interplanetaren Missionen als zusätzliches Frühwarnsystem. Mit zunehmender bemannter Raumfahrt jenseits des Erdorbits wird die Erkennung solcher asymmetrischen CME-Komponenten für den Schutz von Crews immer wichtiger.
- Adrienn Luspay-Kuti et al, The structure of a complex, asymmetric coronal mass ejection revealed by 17 spacecraft across the inner heliosphere, Science Advances (2026). DOI: 10.1126/sciadv.aed9960
- Quelle: https://phys.org/news/2026-08-interplanetary-spacecraft-capture-coronal-mass.html