Wissenschaftler planen den Bau eines Radioteleskops auf der erdabgewandten Seite des Mondes. Der Grund: Die zunehmende Funkstörung durch irdische Technologien erschwert die Suche nach extraterrestrischen Radiosignalen. Ein Team um David DeBoer von der University of Oxford hat ein entsprechendes Konzept entwickelt.
Zeitdruck durch zunehmende Funkstörungen
Bis 2030 wird die wachsende Zahl von Mondsonden und Landegeräten auch auf der Mondrückseite permanente Funkstörungen verursachen. Derzeit bietet diese Region noch einzigartige Bedingungen für Radioastronomie, da sie vor irdischen Störsignalen abgeschirmt ist. Zusätzlich blockiert die irdische Ionosphäre niederfrequente Radiowellen, die vom Boden aus kaum detektierbar sind.
Das geplante Lunar Farside Transients and Technology Telescope (LFT3) soll noch vor Ende des Jahrzehnts installiert werden. Die Mission nutzt das Commercial Lunar Payload Services-Programm der NASA und soll Kosten von 150 Millionen US-Dollar nicht überschreiten.
Technische Herausforderungen der Mission
Das Teleskop soll im HF-, VHF- und UHF-Bereich operieren und etwa 20 Wochen lang den Kosmos beobachten. Dabei muss es extremen Temperaturschwankungen zwischen 120°C am Tag und -130°C in der Nacht standhalten.
Die Datenübertragung stellt eine besondere Herausforderung dar. Da die Mondrückseite keine direkte Sichtverbindung zur Erde hat, ist ein Relaissatellit notwendig. Die derzeitige Infrastruktur erlaubt jedoch nur eine monatliche Datenmenge von etwa 100 GB. Daher sollen die Daten vor Ort vorverarbeitet und gefiltert werden, bevor sie zur Erde übertragen werden.
Die wissenschaftlichen Ziele umfassen drei Hauptbereiche: die Suche nach Technosignaturen wie dem „Wow!“-Signal von 1977, die Detektion von Polarlichtern bei Exoplaneten und die Beobachtung schneller Radioblitze (FRBs). Die Mission wird vom Breakthrough Listen-Projekt unterstützt, das nach Anzeichen außerirdischer Technologien sucht.
Bisher hat das Projekt noch keine Finanzierungszusage. Die vergleichsweise geringen Kosten und der zeitliche Druck durch die zunehmende Mondaktivität sprechen jedoch für eine baldige Realisierung.
- Quelle: DeBoer, D.R. et al. (2026). The Lunar Farside Transients and Technology Telescope (LFT3) Mission. arXiv. DOI: 10.48550/arxiv.2607.25762
- Quelle: https://phys.org/news/2026-08-radio-telescope-moon.html