Ein neuartiger Strahlenschutzanzug könnte künftig Astronauten auf Mond- und Marsmissionen vor gefährlicher Sonnenstrahlung schützen. Das zeigt eine Auswertung des Einsatzes während der unbemannten Artemis I-Mission im Jahr 2022.
Schutz vor solaren Teilchenereignissen
Die AstroRad-Westen wurden von der israelischen Firma StemRad in Zusammenarbeit mit der Israel Space Agency und Lockheed Martin entwickelt. Sie sollen insbesondere vor solaren Teilchenereignissen schützen – plötzlichen Strahlungsausbrüchen der Sonne, die für Astronauten im Weltraum lebensbedrohlich sein können.
Im Gegensatz zu herkömmlichen Bleischutzwesten nutzt AstroRad einen speziellen Kunststoff mit hoher Wasserstoffdichte. Wasserstoffatome bieten aufgrund ihrer Elektronendichte einen effektiven Schutz gegen einfallende Teilchen, ohne dabei gefährliche Neutronenschauer auszulösen, wie sie bei Blei auftreten können.
Erfolgreicher Test mit Strahlungsmess-Dummys
Während der Artemis I-Mission wurden zwei weibliche Torsodummys namens Zohar und Helga eingesetzt. Zohar trug die AstroRad-Weste, Helga nicht. Die Dummys waren mit über 5.600 Strahlungssensoren ausgestattet und simulierten die Strahlungsempfindlichkeit menschlichen Gewebes.
Obwohl während der 26-tägigen Mission kein größerer Sonnensturm auftrat, konnten die Forscher anhand der Daten berechnen, dass die Weste die Strahlendosis bei solchen Ereignissen um bis zu 60% reduzieren könnte. Dies entspricht einem Strahlungsschutz von bis zu 193 Tagen im tiefen Weltraum.
Die Weste wiegt etwa 26 Kilogramm und besteht aus tausenden sechseckigen Kunststoffelementen, die wie Schuppen angeordnet sind. Der Schutz ist gezielt auf besonders strahlungsempfindliche Organe wie Brust und Eierstöcke abgestimmt, da Frauen ein höheres Risiko für strahlungsbedingte Krebserkrankungen haben.
- Quelle: Space.com – „Radiation-shielding vest aced Artemis I lunar test“
- Quelle: StemRad – Technische Spezifikationen AstroRad
- Quelle: NASA – Artemis I Missionsbericht