Im Jahr 2014 kam es zu einem bemerkenswerten Patentstreit zwischen den Raumfahrtunternehmen Blue Origin und SpaceX. Blue Origin hatte ein Patent für die vertikale Landung einer Rakete auf See angemeldet, noch bevor das Unternehmen überhaupt eine orbitale Rakete gestartet hatte. Anschließend versuchte Blue Origin, SpaceX mit diesem Patent zu blockieren, obwohl SpaceX bereits an ähnlichen Technologien arbeitete.
Die Hintergründe des Patents
Blue Origin reichte das Patent im Juni 2010 ein. Es beschrieb ein System, bei dem eine mehrstufige Rakete von einem Küstenstandort aus gestartet wird, die Booster-Stufe sich abtrennt und dann kontrolliert mit den Triebwerken auf einer schwimmenden Plattform landet. Das US-Patentamt erteilte das Patent im März 2014, wobei Jeff Bezos als einer der Erfinder genannt wurde. Zu diesem Zeitpunkt hatte Blue Origin zwar suborbitale Testflüge durchgeführt, aber noch keine orbitale Raketenstufe erfolgreich gelandet – weder auf See noch an Land.
SpaceX hingegen hatte bereits erste Versuche unternommen, die erste Stufe der Falcon 9-Rakete auf einer schwimmenden Plattform zu landen. Diese Versuche scheiterten zwar spektakulär, waren aber dokumentiert. SpaceX hatte eigens eine autonome Plattform, die sogenannte „Autonomous Spaceport Drone Ship“, entwickelt, um die Booster-Stufen aufzufangen. Diese Bemühungen liefen bereits, während Blue Origins Patent noch geprüft wurde.
Der Patentstreit und sein Ausgang
Im August 2014 reichte SpaceX eine Beschwerde beim Patentprüfungsausschuss ein. Das Unternehmen argumentierte, dass das Patent nie hätte erteilt werden dürfen. Die Technik, eine Raketenstufe mit Triebwerken auf einer Plattform zu landen, sei keine neue Erfindung von Blue Origin. Vielmehr existierten akademische Arbeiten, die ähnliche Ansätze bereits Jahre vor Blue Origins Patentanmeldung beschrieben hatten. SpaceX bezeichnete die zugrunde liegende Raketentechnik als „alten Hut“.
Im März 2015 entschied der Ausschuss weitgehend zugunsten von SpaceX. Blue Origin wartete nicht auf eine vollständige Niederlage. Im September 2015 beantragte das Unternehmen selbst die Streichung von dreizehn der fünfzehn Patentansprüche. Damit war das Patent praktisch nicht mehr durchsetzbar. Blue Origin zog sich zurück, anstatt eine formelle Entscheidung gegen das Patent abzuwarten.
Interessanterweise gelang Blue Origin nur zwei Monate nach dem Rückzug vom Patentstreit im November 2015 die erste vertikale Landung einer Rakete nach einem Raumflug mit der New Shepard-Rakete. SpaceX folgte im Dezember 2015 mit der Landung einer Falcon 9-Booster-Stufe. Die Falcon 9 erreicht jedoch orbitale Geschwindigkeiten, während New Shepard nur suborbitale Flüge durchführt. Die Vergleichbarkeit der beiden Leistungen ist daher begrenzt.
Der Patentstreit zeigt die unterschiedlichen Strategien der beiden Unternehmen in dieser Phase. Blue Origin versuchte, rechtliche Hürden zu errichten, während SpaceX auf praktische Versuche und technologische Fortschritte setzte. In den folgenden Jahren entwickelte sich die Falcon 9 zu einer routinemäßig wiederverwendbaren Rakete, während Blue Origins orbitale Rakete New Glenn erst 2024 ihren ersten Flug absolvierte.
- Quelle: Space Daily