Die Internationale Raumstation (ISS) dient als zentrales Labor für wissenschaftliche Experimente, die die Grundlage für zukünftige Missionen zum Mond und zum Mars schaffen. Im Jahr 2026 führte die Besatzung der Expedition 74 zahlreiche Untersuchungen durch, die sowohl technologische als auch medizinische Aspekte der Raumfahrt betreffen. Diese Arbeiten sind eng mit den Zielen der NASA-Mission Artemis II verknüpft, die im April 2026 den ersten bemannten Flug um den Mond seit über 50 Jahren markierte.
Technologieoptimierung für tiefe Raumfahrt
Auf der ISS werden innovative Technologien getestet und optimiert, um zukünftige Missionen jenseits des niedrigen Erdorbits zu unterstützen. Ein Beispiel ist das European Enhanced Exploration Exercise Device (E4D), ein kompaktes Trainingsgerät, das von der ESA-Astronautin Sophie Adenot aktiviert wurde. Das Gerät simuliert verschiedene Schwerkraftniveaus und könnte zu noch kleineren Trainingssystemen für zukünftige Missionen führen. Regelmäßiges Training ist entscheidend, da Astronauten in der Schwerelosigkeit durchschnittlich 1% bis 1,5% ihrer Knochendichte pro Monat verlieren.
Ein weiteres Forschungsprojekt ist die Intravenous Fluid Generation – Mini (IVGEN Mini), die die Herstellung von Infusionsflüssigkeiten aus dem Trinkwasservorrat der Station untersucht. Da kommerzielle Infusionslösungen nur etwa 16 Monate haltbar sind, könnte diese Technologie die medizinische Versorgung verbessern und gleichzeitig das Gewicht und Volumen von Nachschublieferungen reduzieren. Robotertechnologien wie das Test facility for lab-aUtomation System in Kibo (TUSK) werden ebenfalls getestet, um präzise Bewegungen in der Schwerelosigkeit zu untersuchen und zukünftige automatisierte Systeme zu verbessern.
Gesundheitsforschung in der Schwerelosigkeit
Astronauten dienen auch als Testpersonen, um die Auswirkungen der Schwerelosigkeit auf den menschlichen Körper zu untersuchen. Experimente wie Spaceflight Thrombosis and Risk Factors (Venous Haemostasis) analysieren Veränderungen im Blutfluss, um Risiken wie Blutgerinnsel zu identifizieren und vorbeugende Maßnahmen zu entwickeln. Das Causal Analysis of Cardiorespiratory Coupling on the ISS (CARDIOBREATH)-Experiment nutzt ein „smart shirt“, um Herzfrequenz, Blutdruck und Atmung während des Trainings zu überwachen. Diese Daten helfen, das Verständnis für kardiovaskuläre Gesundheit in der Schwerelosigkeit zu verbessern.
Die psychische Gesundheit ist ebenfalls ein wichtiger Faktor. Das Mind/Body Practices for Deep Space Exploration (RelaxPro)-Experiment untersucht nicht-invasive Methoden wie Meditation, um Stress zu reduzieren und den Schlaf zu verbessern. Diese Forschung ist entscheidend, um die Auswirkungen von Isolation und Enge auf die Entscheidungsfähigkeit und Moral der Besatzung zu mildern.