Bevor die Internationale Raumstation (ISS) ihr Lebensende erreicht, wurden bereits mehr als 263 Raumfahrzeuge gezielt im Südpazifik zum Absturz gebracht. Der als Point Nemo bekannte Ort ist dabei nicht ein einzelner Punkt, sondern steht für eine ausgedehnte Meeresregion, die für kontrollierte Wiedereintritte genutzt wird.
Die Realität des Raumfahrzeug-Friedhofs
Die Zahl von 263 Raumfahrzeugen bezieht sich auf den Zeitraum von 1971 bis 2018. Dazu gehören die russische Raumstation Mir, sechs Saljut-Stationen, etwa 140 russische Versorgungsfahrzeuge, sechs japanische Frachtraumschiffe und fünf Transferfahrzeuge der Europäischen Weltraumorganisation (ESA). Die tatsächliche Anzahl liegt höher, da seit 2018 weitere kontrollierte Wiedereintritte stattfanden.
Point Nemo liegt bei 48°52.6′ Süd und 123°23.6′ West, etwa 2.688 Kilometer von der nächsten Landmasse entfernt. Raumfahrzeuge werden nicht direkt auf diesen Punkt gelenkt, sondern in einen ausgedehnten, unbewohnten Meeresbereich. Durch die hohe Geschwindigkeit beim Wiedereintritt verteilen sich die Trümmer über eine lange Strecke.
Historische Beispiele und zukünftige Pläne
Ein bedeutendes Beispiel ist der kontrollierte Absturz der russischen Raumstation Mir im Jahr 2001. Mit einer Masse von etwa 130 Tonnen war sie deutlich kleiner als die ISS. Ein angedocktes Progress-Raumschiff führte Bremsmanöver durch, bevor die Station in der Atmosphäre zerbrach.
Versorgungsfahrzeuge haben den kontrollierten Wiedereintritt zur Routine gemacht. Die ESA dokumentierte den Absturz ihres ATV „Jules Verne“ im Jahr 2008 genau, um Erkenntnisse über das Zerbrechen in der Atmosphäre zu gewinnen.
Die NASA plant, die ISS bis 2030 zu betreiben und dann gezielt zum Absturz zu bringen. SpaceX wurde mit der Entwicklung eines Deorbit-Fahrzeugs beauftragt. Die ISS mit über 400 Tonnen Masse stellt dabei eine besondere Herausforderung dar.
- Quelle: NOAA-Daten zu Point Nemo
- Quelle: NASA-Dokumentation zum ISS-Deorbit-Plan
- Quelle: ESA-Berichte zum ATV „Jules Verne“