Nachtlichtverschmutzung reduziert sichtbare Sterne drastisch

Eine Studie aus dem Jahr 2023 zeigt, dass die zunehmende Lichtverschmutzung die Anzahl der mit bloßem Auge sichtbaren Sterne deutlich verringert. Die Untersuchung basiert auf 51.351 Beobachtungen von Freiwilligen zwischen 2011 und 2022. Demnach nimmt die Helligkeit des Nachthimmels im Durchschnitt um 9,6 Prozent pro Jahr zu. Bei diesem Tempo könnte ein Kind, das heute 250 Sterne sieht, mit 18 Jahren nur noch etwa 100 Sterne am gleichen Ort erkennen.

Bürgerwissenschaft liefert präzisere Daten als Satelliten

Die Daten stammen vom Projekt „Globe at Night“, bei dem Teilnehmer die Sichtbarkeit von Sternbildern dokumentierten. Diese Methode erfasst die Lichtverschmutzung aus menschlicher Perspektive genauer als Satellitenmessungen. Der Grund: Satellitensensoren wie VIIRS Day/Night Band können blaues LED-Licht und seitlich abgestrahltes Licht nur begrenzt erfassen. Beides trägt jedoch wesentlich zur Aufhellung des Nachthimmels bei.

Die Studie ergab regionale Unterschiede: Während Europa eine jährliche Zunahme der Himmelshelligkeit von 6,5 Prozent verzeichnete, lag der Wert in Nordamerika bei 10,4 Prozent. Die ungleichmäßige Verteilung der Beobachtungsstandorte bedeutet jedoch, dass es sich um Durchschnittswerte handelt, nicht um eine vollständige globale Erfassung.

Folgen für die Sternenbeobachtung

Bereits 2016 zeigte der „World Atlas of Artificial Night Sky Brightness“, dass über 80 Prozent der Weltbevölkerung unter lichtverschmutzten Himmeln leben. Die Milchstraße ist für ein Drittel der Menschheit nicht mehr sichtbar. Die aktuelle Studie verdeutlicht, dass dieser Trend sich beschleunigt. Die Auswirkungen sind nicht linear: Schon eine geringe Zunahme der Himmelshelligkeit kann viele lichtschwache Sterne unsichtbar machen.

Die gemessene Rate von 9,6 Prozent ist kein feststehender Wert. Lokale Faktoren wie Beleuchtungskonzepte, Wetterbedingungen und individuelle Sehstärke beeinflussen die tatsächliche Sichtbarkeit. Die Studie zeigt jedoch klar, dass ohne Gegenmaßnahmen die Zahl der sichtbaren Sterne weiter abnehmen wird. Technische Lösungen wie abgeschirmte Leuchten oder angepasste Beleuchtungszeiten könnten diesen Trend verlangsamen.