Voyager-2-Daten deuten auf ungewöhnlichen Zustand bei Uranus-Vorbeiflug 1986 hin

Eine Neuauswertung der Voyager-2-Daten aus dem Jahr 2024 legt nahe, dass die Sonde den Uranus während eines seltenen komprimierten Zustands passierte. Die Analyse wurde im Fachjournal Nature Astronomy veröffentlicht.

Einzige Nahaufnahmen des Uranus

Die NASA-Raumsonde Voyager 2 flog im Januar 1986 als bisher einziges Raumfahrzeug am Uranus vorbei. Die damals gesammelten Daten bildeten die Grundlage für das wissenschaftliche Verständnis des Planeten über vier Jahrzehnte. Die Sonde entdeckte neue Monde und Ringe, kartierte das Magnetfeld und untersuchte die Magnetosphäre.

Die Messungen zeigten eine ungewöhnlich leere Magnetosphäre mit gleichzeitig starken Strahlungsgürteln. Diese Kombination galt bisher als typisch für Uranus. Das Forschungsteam um Jamie Jasinski vom Jet Propulsion Laboratory der NASA analysierte nun die Sonnenwinddaten der Voyager-Mission erneut.

Extreme Kompression zum Zeitpunkt des Vorbeiflugs

Die Auswertung ergab, dass der Sonnenwinddruck während des Vorbeiflugs etwa 20-mal höher war als eine Woche zuvor. Laut den Forschern trat dieser Zustand in dem untersuchten Zeitraum von acht Monaten nur an etwa 4% der Tage auf. Die Magnetosphäre des Uranus war demnach zum Messzeitpunkt stark komprimiert.

Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass diese Kompression Plasma aus der Magnetosphäre verdrängte und gleichzeitig die Strahlungsgürtel verstärkte. Hätte Voyager 2 den Planeten einige Tage früher oder später passiert, wären vermutlich deutlich andere Messwerte aufgezeichnet worden.

Die neuen Erkenntnisse werfen Fragen zur Interpretation der historischen Daten auf. Sie lassen beispielsweise vermuten, dass die großen Uranusmonde Titania und Oberon möglicherweise aktiver sind als bisher angenommen. Zudem könnten sie sich normalerweise innerhalb der Magnetosphäre befinden, was die Suche nach unterirdischen Ozeanen erleichtern würde.

Die Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit weiterer Missionen zum Uranus. Ein Orbiter, der den Planeten über längere Zeit beobachtet, könnte die offenen Fragen klären. Die Planetary Science Decadal Survey der USA hat bereits eine Uranus-Orbiter-Mission als prioritäres Projekt für die kommende Dekade vorgeschlagen.