Voyager 1: Außerhalb des Sonnenwinds, aber noch im Sonnensystem

Die NASA-Sonde Voyager 1, gestartet 1977, durchquerte 2012 die Heliopause und trat in den interstellaren Raum ein. Dennoch wird sie erst in etwa 30.000 Jahren die äußeren Grenzen des Sonnensystems erreichen. Dieser scheinbare Widerspruch erklärt sich durch unterschiedliche Definitionen der Systemgrenzen.

Zwei Definitionen der Systemgrenze

Die Heliopause markiert den Übergang, an dem der Sonnenwind vom interstellaren Medium gestoppt wird. Voyager 1 durchquerte diese Grenze am 25. August 2012 in etwa 120 Astronomischen Einheiten (AE) Entfernung. Eine AE entspricht dem mittleren Abstand zwischen Erde und Sonne. Die Sonde verließ damit den Einflussbereich des solaren Plasmas, nicht jedoch den gravitativen Einfluss der Sonne.

Die Oortsche Wolke, eine hypothetische Ansammlung von Eisobjekten, bildet die äußere Grenze des gravitativ an die Sonne gebundenen Systems. Ihre innere Kante wird auf 2.000 bis 5.000 AE geschätzt, die äußere auf 10.000 bis 100.000 AE. Voyager 1 wird diese Region voraussichtlich erst in 300 Jahren erreichen und in 30.000 Jahren vollständig durchquert haben.

Nachweis des Übergangs

Der Nachweis des Heliopausen-Durchgangs erfolgte indirekt. Da das Plasma-Instrument der Sonde seit 1980 nicht mehr funktionierte, nutzten Wissenschaftler Schwingungen im interstellaren Plasma, die durch einen Sonnenausbruch verursacht wurden. Die gemessene Plasmadichte war mehr als 40-mal höher als im inneren Heliosphärenbereich. Kombiniert mit Daten zu kosmischer Strahlung bestätigte die NASA 2013 den Übergang.

Die Energieversorgung von Voyager 1 durch Radioisotopengeneratoren nimmt stetig ab. Die NASA hat bereits begonnen, Instrumente abzuschalten, um die Betriebsdauer zu verlängern. Die Kommunikation mit der Sonde wird voraussichtlich enden, lange bevor sie die Oortsche Wolke erreicht.

  • NASA Voyager Mission Records
  • NASA Solar System Overview
  • NASA Voyager Frequently Asked Questions