Gaia-Teleskop entdeckt riesige Sternenwelle in der Milchstraße

Das Weltraumteleskop Gaia der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) hat eine großräumige Welle in der Scheibe der Milchstraße nachgewiesen. Die Struktur erstreckt sich zwischen 30.000 und 65.000 Lichtjahren vom galaktischen Zentrum und verursacht vertikale Verschiebungen von Sternen um etwa 500 bis 650 Lichtjahre. Die Ergebnisse wurden in einer Studie im Fachjournal Astronomy & Astrophysics veröffentlicht.

Bewegungsmuster deutet auf wandernde Welle hin

Die Besonderheit der Entdeckung liegt nicht nur in der räumlichen Ausdehnung, sondern im Bewegungsmuster der Sterne. Die Positionen der Sterne stimmen nicht mit ihren vertikalen Bewegungen überein – ein charakteristisches Merkmal für eine sich ausbreitende Welle. Die Daten zeigen, dass sich das Muster mit etwa 10 bis 15 Kilometern pro Sekunde nach außen bewegt.

Für die Analyse nutzten Forscher gezielt junge Sterne, darunter 17.000 Riesensterne und 3.400 klassische Cepheiden. Diese Sternpopulationen eignen sich besonders, da sie näher an ihren Entstehungsorten verbleiben und jüngere Strukturen besser abbilden als ältere Sterne.

Ursache der Störung bleibt ungeklärt

Als mögliche Auslöser kommen verschiedene Szenarien in Betracht:

  • Vorbeizug einer Satellitengalaxie wie der Sagittarius-Zwerggalaxie
  • Interne Wechselwirkungen innerhalb der Milchstraßenscheibe
  • Frühere Kollisionen mit anderen Galaxien

Die Studie kann keine dieser Hypothesen bestätigen oder ausschließen. Computersimulationen zeigen zwar, dass Begegnungen mit kleineren Galaxien ähnliche Wellen erzeugen können, doch ein direkter Nachweis steht aus.

Die Beobachtungen stammen aus der aktiven Missionsphase von Gaia zwischen 2014 und Januar 2025. Das Teleskop sammelte etwa drei Billionen Beobachtungen von zwei Milliarden Himmelsobjekten. Die vollständige Auswertung aller Daten wird voraussichtlich bis Ende 2030 dauern.

Quellen

  • Studie in Astronomy & Astrophysics (2025)
  • ESA-Missionsdaten zum Gaia-Teleskop
  • Vergleich mit früheren Erkenntnissen zur Radcliffe-Wave (2020)