Die Oberfläche der Venus stellt eine der extremsten Umgebungen im Sonnensystem dar. Der atmosphärische Druck beträgt dort etwa 92 bar, was dem 92-fachen des Drucks auf Meereshöhe auf der Erde entspricht. Dies entspricht einer Kraft von rund 1.350 Pfund pro Quadratzoll. Zur Veranschaulichung: Diese Belastung wäre vergleichbar mit einem kleinen Auto, das auf einen Fingernagel drückt. Die Temperaturen erreichen an der Oberfläche bis zu 460°C, was ausreicht, um Blei zu schmelzen. Die Atmosphäre besteht zu 96,5% aus Kohlendioxid, was die lebensfeindlichen Bedingungen weiter verschärft.
Die Herausforderungen für Raumfahrzeuge
Die extremen Bedingungen an der Venusoberfläche stellen eine enorme Herausforderung für Raumfahrzeuge dar. Die sowjetischen Venera-Lander demonstrierten dies eindrücklich. Venera 9 überlebte nach der Landung im Jahr 1975 lediglich 53 Minuten, schaffte es jedoch, eines der ersten Fotos von der Oberfläche eines anderen Planeten zur Erde zu senden. Venera 13 hielt im Jahr 1982 mit 127 Minuten etwas länger durch und hält bis heute den Rekord für die längste Überlebensdauer eines Raumfahrzeugs auf der Venusoberfläche. Diese Missionen zeigen, dass selbst speziell konstruierte Maschinen unter diesen Bedingungen nur kurzzeitig bestehen können.
Erdähnliche Bedingungen in 50 Kilometern Höhe
In einer Höhe von etwa 50 Kilometern ändern sich die Bedingungen auf der Venus dramatisch. Der atmosphärische Druck entspricht hier dem auf der Erdoberfläche, und die Temperaturen liegen zwischen 30 und 70°C. Diese Zone bietet damit die erdähnlichsten atmosphärischen Bedingungen im gesamten Sonnensystem. NASA-Wissenschaftler haben diese Höhe als potenziell geeignet für Missionen identifiziert, da hier sowohl der Druck als auch die Temperaturen deutlich weniger extrem sind als an der Oberfläche.
Allerdings bedeutet „erdähnlich“ in diesem Zusammenhang lediglich ähnliche Druck- und Temperaturverhältnisse. Die Atmosphäre besteht weiterhin fast ausschließlich aus Kohlendioxid, und die Wolken enthalten konzentrierte Schwefelsäuretröpfchen, die ungeschützte Materialien und Systeme beschädigen können. Ingenieure, die Konzepte für Missionen in dieser Höhe entwickeln, müssen daher besonderes Augenmerk auf den Schutz vor der korrosiven Umgebung legen.
Ein vielversprechendes Konzept ist das High Altitude Venus Operational Concept (HAVOC), das einen leichter-als-Luft-Flugkörper vorsieht, der in 50 Kilometern Höhe schwebt. Dieser könnte Instrumente tragen oder, in einer ambitionierteren Variante, sogar ein Habitat und eine Aufstiegsvorrichtung für eine zweiköpfige Besatzung für bis zu einem Monat. Obwohl HAVOC bisher nur eine interne NASA-Studie ist, zeigt es das Potenzial von Missionen in dieser Höhe auf, wo die Atmosphäre nutzbaren Auftrieb und erdähnliche Druckverhältnisse bietet, ohne die extremen Bedingungen der Oberfläche überstehen zu müssen.
Die Venus präsentiert sich somit als ein Planet mit zwei völlig unterschiedlichen Welten: einer extrem lebensfeindlichen Oberfläche und einer darüberliegenden Zone mit erdähnlichen Bedingungen. Der Übergang zwischen diesen beiden Bereichen entspricht etwa der Länge eines morgendlichen Arbeitswegs. Diese einzigartige Eigenschaft macht die Venus zu einem faszinierenden Ziel für zukünftige Erkundungsmissionen, insbesondere für solche, die die Vorteile der höheren Atmosphäre nutzen können, ohne die Oberfläche erreichen zu müssen.
- Quelle: https://spacedaily.com/m-stand-on-venus-and-the-pressure-is-like-balancing-a-small-car-on-your-thumbnail-about-1350-pounds-per-square-inch-go-up-fifty-kilometres-though-and-pressure-and-temperature-enter-an-eart/