Der Boötes-Void: Eine riesige Leere im Universum

Astronomen haben eine Region im Universum entdeckt, die sich durch ihre extreme Leere auszeichnet. Der sogenannte Boötes-Void erstreckt sich über etwa 250 bis 330 Millionen Lichtjahre und enthält nur wenige Dutzend Galaxien, wo eigentlich rund 2000 zu erwarten wären.

Entdeckung und erste Zweifel

Die Existenz des Boötes-Voids wurde erstmals 1981 von einem Team um Robert Kirshner beschrieben. Die Forscher analysierten die Rotverschiebung von 133 Galaxien in drei Himmelsregionen. Statt der erwarteten Verteilung fanden sie eine auffällige Lücke im Bereich von 15.000 km/s Rotverschiebung. Die statistische Signifikanz war zunächst unklar, da die Beobachtungsgebiete begrenzt waren.

Eine Nachfolgestudie im Jahr 1987 mit 240 weiteren Galaxien bestätigte die Leere. In dem untersuchten Bereich zwischen 12.000 und 19.000 km/s Rotverschiebung wurde keine einzige Galaxie gefunden, obwohl 31 erwartet worden wären. Die ursprünglich geschätzte Größe des Voids wurde dabei nach unten korrigiert.

Eigenschaften und Bedeutung

Der Boötes-Void enthält etwa 60 Galaxien, die vorwiegend entlang einer röhrenförmigen Struktur angeordnet sind. Diese ungewöhnliche Verteilung lässt vermuten, dass der Void durch das Zusammenwachsen kleinerer Leerräume entstanden ist. Die Galaxiendichte beträgt nur etwa 3% des Durchschnittswerts im beobachtbaren Universum.

Voids wie dieser machen den größten Teil des Volumens im Kosmos aus. Da sie kaum Materie enthalten, eignen sie sich besonders zur Untersuchung von Dunkler Energie und Gravitation auf großen Skalen. Eine aktuelle Studie aus dem Jahr 2022 bestätigt den Boötes-Void als eines von 100 signifikanten Voids in unserer kosmischen Nachbarschaft.

Die Existenz solcher extremen Leerräume stellt keine Anomalie dar, sondern zeigt vielmehr, dass die dicht besiedelten Regionen wie unsere lokale Galaxiengruppe die Ausnahme im Universum bilden.