Die Internationale Raumstation und ihre altersbedingten Herausforderungen

Am 5. Juni 2026 ordnete die NASA fünf Astronauten an Bord der Internationalen Raumstation (ISS) an, sich in einem angedockten Raumschiff in Sicherheit zu bringen. Grund war eine seit längerem bestehende, sich verschlechternde Luftleckage im russischen Segment der Station. Nach anderthalb Stunden wurde die Warnung aufgehoben, doch der Vorfall verdeutlicht die Alterungsprobleme der ISS.

Strukturelle Probleme im Zvezda-Modul

Das Leck befindet sich im älteren Teil der ISS, dem Zvezda PrK Transfertunnel. Feine Risse in der Struktur des Tunnels, der Zugang zu einem Andockport bietet, verursachen das Problem. Eine dauerhafte Lösung existiert nicht – die Risse wurden bereits mehrfach mit Dichtmittel abgedichtet. NASA und Roskosmos bewerten die Situation unterschiedlich: Während die russische Raumfahrtbehörde keine Gefahr sieht, stuft die NASA das Risiko als erhöht ein.

Neue Risse und erhöhte Leckraten im Juni 2026 führten zu kontroversen Reparaturvorschlägen. Roskosmos plante zunächst Bohrungen an der Hülle, später die Entfernung einer tragenden Halterung mit einer Säge. Beide Pläne wurden nach NASA-Bedenken verworfen. Aktuell plant Roskosmos, den PrK-Tunnel vom Rest der Station abzutrennen.

Die Zukunft der bemannten Raumfahrt in niedriger Umlaufbahn

Die ISS war nie als dauerhafte Einrichtung konzipiert. Ursprünglich sollten kommerzielle Raumstationen die Nachfolge antreten. Derzeitiger Spitzenreiter ist Vast’s Haven-1 mit etwa einem Achtel des ISS-Lebensraums, dessen Start sich jedoch auf 2027 verzögert. Komplette Ersatzstationen wie Vast’s modulares Haven-2 (geplanter Start erster Module 2028) oder Projekte von Axiom und Starlab Space befinden sich in Entwicklung.

Angesichts verzögerter kommerzieller Alternativen verlängerten US-Gesetzgeber die ISS-Betriebsdauer von 2030 auf 2032. Die geplante Deaktivierung sieht einen kontrollierten Wiedereintritt über Point Nemo im Pazifik vor, durchgeführt von einem modifizierten SpaceX Dragon Vehikel zu Kosten von etwa 840 Millionen US-Dollar.

Rechtliche Fragen bleiben: Gemäß dem UN-Haftungsübereinkommen von 1972 haften Startnationen für Schäden durch Raumfahrtobjekte. Da die ISS aus Modulen mehrerer Nationen besteht (USA, Russland, Japan, Kanada, ESA-Mitgliedsstaaten), gilt gemeinsame und gesamtschuldnerische Haftung.

  • Quelle: Christopher Newman, Northumbria University, Newcastle/The Conversation
  • Technische Daten: NASA, Roscosmos, SpaceX Unternehmensangaben
  • Raumstationsprojekte: Vast, Axiom, Starlab Space offizielle Verlautbarungen
  • Rechtliche Grundlagen: United Nations Liability Convention 1972